"Anbetung an der Krippe" - Matthäus 2,2

Das war ein interessantes Anspiel mit einer ungewöhnlichen Frage. Wie betet man Jesus eigentlich an? Alle, die um die Krippe stehen, sollen anbeten. Aber das kann man ja nicht einfach so. Was haben die Hirten, die Weisen und die Eltern wohl gesagt? Was haben sie gedacht? Und wie kann ich das heute machen?
Anbetung gehört irgendwie zu Weihnachten. In einigen Liedern kommt das vor:
„Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen“
(Paul Gerhardt: „Ich steh an deiner Krippen hier“).

Anbetung klingt erstmal nach Stille und Besinnung. Man bleibt stehen und denkt darüber nach, was geschehen ist. So sieht es jedenfalls bei den Krippenfiguren immer aus, weil sie sich nicht bewegen. Das ist wie bei einem Foto, das immer nur einen Moment zeigt. Aber bei den Figuren wird alles zusammengefasst, was damals passiert ist. Es hat länger gedauert und es waren auch nicht alle zur gleichen Zeit dort.
Anbetung ist mehr, als wir hier sehen können. Und sie ist sehr unterschiedlich. Ich kann mit alten Worten und Melodien anbeten, wenn ich allein bin und nur eine Kerze leuchtet. Aber Anbetung kann auch laut und fröhlich sein. Mit vielen Menschen und Instrumenten, mit neuen Liedern und einem richtigen Feuerwerk.
Ich kann anbeten, wenn ich stehe oder wenn ich niederknie. Ich kann anbeten, wenn ich sitze oder sogar liege. Ich kann die Hände falten, sie öffnen oder hoch heben. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir anbeten können. Aber das Entscheidende ist, wen wir anbeten. Denn Anbetung hat immer eine Richtung. Was ich anbete, ist größer, höher und stärker als ich. Und ich spreche es an und sage „DU! Du bist größer als ich, du bist wichtiger. Ohne dich wäre mein Leben arm!“
Zu Weihnachten sind alle Augen auf eine Person gerichtet. „Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen!“ Auf die kleinste! Auf das Kind in der Krippe: Jesus. Er wird angebetet: „Du bist größer! Du bist wichtiger! Ohne dich wäre mein Leben arm!“
Alle tun das gleiche. Obwohl da so unterschiedliche Menschen an der Krippe stehen. Jeder mit seiner Geschichte. Und jeder betet anders an.
In der Bibel kommt der Begriff in allen Weihnachtsberichten nur ein einziges Mal vor: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihn anzubeten.“ (Mt 2,2)

Das sagen die drei weisen Männer, als sie Jesus gesucht haben. Diese Weisen suchen den König. Sie sind klug, haben lange studiert und wissen viel. Sie haben den Himmel beobachtet und ihre Schlüsse daraus gezogen. Bei ihnen ist alles groß: Ihr Wissen, ihre Erfahrung, die Entfernung, die sie zurückgelegt haben und auch ihre Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Damit erkennen sie Jesus als König an, der über ihnen steht. Sie schenken, was sie haben. Ihr Verstand hat sie zur Krippe geführt. Und so beten sie Jesus auch an. Alles ist logisch und durchdacht.
Darum sind sie die einzigen, die von selbst kommen. Keiner hat sie gerufen, aufgefordert oder eingeladen. Sie haben sich von alleine auf den Weg gemacht. Es war lang und mühsam. Aber sie haben sich von dem Stern führen lassen. Es ist bis heute nicht klar, wie dieser Stern entstanden ist. Eine Möglichkeit ist, dass zwei oder drei Sterne so dicht zusammengestanden haben, dass sie wie einer geleuchtet haben. Für die Weisen passte alles zusammen und ergab einen Sinn.
Diese weisen Männer erinnern mich an viele andere Menschen. Sie beobachten lange, wie Christen sich verhalten, was sich im Leben von anderen verändert, wenn sie an Jesus glauben. Sie machen sich ihre Gedanken und prüfen, was sie sehen, bevor sie sich zu Jesus aufmachen. Es ist oft ein langer Weg, bis sie ankommen. Sie brauchen viel Zeit und haben es sich gut überlegt.
So wie der bodenständige Handwerker, der irgendwann merkt: „Was Besseres als Jesus finde ich nicht!“
Wie die Frau, die sich mit vielen Sorgen und Fragen abmüht. Sie hat viel ausprobiert und lange nach Antworten gesucht. Aber am Ende sagt sie: „Jesus ist mein Trost. Nur er gibt mir Halt.“
Wie der Student, der sich lange Gedanken gemacht hat, viel gelesen und verglichen. Und dann sagt: „Nur hier finde ich, was für mich Sinn macht.“
Und dann kommen sie und geben Jesus, was sie haben. Ihre Zeit, ihre Kraft, ihre Ideen, ihre Musik. Sie setzen sich mit Überzeugung für ihn ein. Wir würden heute nicht diesen Gottesdienst feiern können, wenn nicht so viele dieser weisen Menschen da wären. Sie bringen ihren Verstandes-Stern.
Sie haben sich auf die Suche gemacht, stehen dann vor Jesus und sagen: „Wohin sollte ich sonst gehen? Wer ist größer als du? Wo finde ich mehr, als bei dir? Du bist der König. Du bist meine Antwort. Dir gebe ich, was ich habe. Dich bete ich an.“

Ganz anders war es bei den Hirten. Sie sind die einzigen, die eingeladen worden sind. Denn von selbst wären sie nie gekommen. Sie waren arm, unbeachtet und lebten immer am Rand. Man hat sie schnell übersehen. Aber gerade sie werden von den Engeln besucht und zur Krippe eingeladen. Zum Retter und Heiland. Allein das machte ihnen Hoffnung: Wir sind nicht vergessen!
Bei ihnen heißt es nur, dass sie „kamen und sahen“ (Lk 2,16+17). Das war ihre Anbetung. Wir lesen nichts von Geschenken, nichts von Liedern und Musik. Sie waren einfach nur da und erzählten, was sie erlebt hatten. Sie brachten sich selbst mit. Mit allem was sie hatten und was ihnen fehlte. Denn sie hatten keine Zeit, sich vorzubereiten, weil sie von der Botschaft völlig überrascht wurden. Es war ein Wunder, als die Engel zu ihnen kamen. Ein übernatürliches Ereignis, das sie sich nicht erklären konnten. Sie hatten damit nicht gerechnet, aber es hatte ihren wunden Punkt berührt: „Wir werden nicht übersehen, wir sind nicht vergessen. Wir gehören dazu!“ Und sie beten Jesus an, weil ihr wunder Punkt geheilt wird. Sie bringen ihren Wunder-Stern und sagen: „Du bist der Retter!“ Dafür lobten sie Gott auf dem Rückweg und waren die ersten, die von dieser Geburt weiter erzählt haben.
Vielleicht bist du auch so ein Mensch, der immer ein wenig am Rand steht, der zu kämpfen hat und oft übersehen wird. Es fällt nur auf, wenn du mal nicht funktionierst. Wo ist dein wunder Punkt? Wo bist du empfindlich? Gerade du wirst eingeladen. Manchmal völlig überraschend. Und immer wieder durch ein Wunder. Du hättest nicht damit gerechnet, dass du so schnell wieder gesund wirst, dass die Sorgen um deine Familie und das Geld gelöst werden. Dass du wieder Arbeit hast. Es ist ein Wunder, dass deine Frau noch neben dir sitzt, nach allem, was ihr erlebt habt. Es ist ein Wunder, dass du den Unfall überlebt hast. Dass du die Hoffnung nicht verloren, sondern mitten in der Dunkelheit wieder Licht gesehen hast. So kommst du zu dem Retter und bringst dich selbst mit. Deinen Wunder-Stern. Du betest an, weil du ein Wunder erlebt hast, gerade dort, wo dein wunder Punkt ist. Und du sagst: „Du bist mein Heiland, mein Retter!“

Und dann ist da Maria. Sie konnte sich am längsten auf alles vorbereiten. Sie wusste, wer da kommt und war direkt daran beteiligt. Das war für sie nicht leicht. Denn hier lag jetzt ihr Sohn, den sie neun Monate in sich getragen hat, dem sie das Leben geschenkt hat. Und gleichzeitig der Sohn Gottes, den er selbst in diese Welt geschickt hat. Es war ihr Kind und doch nicht ihres. Sie muss all das erstmal verarbeiten. Von ihr lesen wir auch keine Worte, sondern nur: „Maria behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ (Lk 2,19)
Sie wächst immer mehr hinein. Sie hört, nimmt auf und verarbeitet, was geschieht. Und sie vertraut: Gott weiß, was er tut! Ihre Anbetung ist still und ohne Worte. Und gerade deswegen so tief. Denn ihr Leben hat sich am meisten verändert. Sie musste damit erst schwanger gehen. Aber so ist sie langsam hineingewachsen.
Bist du auch wie Maria, in der das Vertrauen erst heranwachsen muss? Viele Menschen erleben keinen großen Moment, in dem sie plötzlich alles erkennen. Sondern sie wachsen immer mehr zu Jesus hin. Sie begreifen Stück für Stück, wer Jesus ist und wie sehr er ihr Leben verändert. Aber dann bleiben sie bei ihm. Still und treu. Sie beten Jesus durch ihr Vertrauen an. Und sie leben mit ihm. Sie bringen ihren Vertrauens-Stern.
Maria ist die einzige, von der wir erfahren, was aus ihr wurde und wie dieses Ereignis ihr Leben verändert hat. Denn trotz vieler Höhen und Tiefen blieb sie bei ihrem Sohn – bis er starb. Da stand sie unter seinem Kreuz und las, was über seinem Kopf angenagelt war: „Der König der Juden.“ (Joh 19,19) Es war genau das, was die Weisen gesagt hatten: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ (Mt 2,2)
Diese Menschen beten das Kind an, den König aller Könige, den Retter der Welt, den Sohn Gottes. Alle tun das gleiche, aber jeder auf seine Weise. Mit ihrem Verstand, ihren wunden Punkten und ihrem Vertrauen. Hier kommt alles zusammen. Das ist wie bei dem Stern, wo drei Sterne auf einmal wie einer leuchten! Das ist Anbetung.
Alle, die an der Krippe stehen, sind auf einen konzentriert und beten ihn an. Das griechische Wort für Anbetung bedeutet: „sich verneigen, das Gesicht zur Erde wenden“. Damit wird ausgedrückt: Ich ordne mich dir unter und sage: „Nur DU! Du bist größer als ich. Du bist wichtiger als alles andere. Und ohne dich will ich nicht leben!“

Wenn ich das tue, verändert es mich. Wenn ich Jesus anbete, schaue ich weg von mir und achte nur auf ihn. Und das macht es hell in mir. Weil das Licht der Welt einzieht – in meine Gedanken, in meine Worte und in mein Leben. Es ist egal, wie ich heute hier bin und wie mein Weg war: Wenn ich Jesus anbete, bleibt es nicht dunkel!
Darum lasst uns das heute gemeinsam tun. Mit dem Verstand, mit unseren wunden Punkten und unserem Vertrauen. Jeder auf seine Weise, aber alle miteinander. Denn er ist der König der Könige, der Retter der Welt und der Sohn Gottes. Und nur er verdient es.
Lasst uns anbeten den König!
Amen