„Leben – für immer!“ - Johannes 14,19+20

Jesus Christus spricht:
„Es ist noch eine kurze Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen.
Aber ihr sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben!
An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.“
Joh 14,19+20

„Ich lebe“! Wenn wir Menschen das sagen, gehört immer das Wort „noch“ dazu. Nach einem schweren Unfall sagt man: „Ich lebe noch! Aber es hätte auch ganz anders sein können!“ Wenn sich jemand nach Jahren mal wieder meldet, dann heißt es oft: „Ich lebe noch! Auch wenn du von mir nichts mitbekommen hast.“
Wir wissen, dass unser Leben einmal zu Ende ist. Irgendwann sterben wir und dann ist Schluss. Darum müssen wir sagen: „Ich lebe noch!“ Denn der Tod ist unsere Grenze.
Und mit dem Tod ist alles aus. Wir kennen es nicht anders. Von einem Toten kannst du nichts mehr erwarten. Der bewegt sich nicht und sagt nichts mehr. Da kommt keine Reaktion und kein Lebenszeichen. Wenn es anders wäre, wirft uns das völlig aus der Bahn. Zum Beispiel so:

Ein Mann sitzt im Taxi. Weil er den Fahrer etwas fragen will, tippt er ihm auf die Schulter. Der Fahrer zuckt zusammen, schreit auf, verreißt das Lenkrad, der Wagen gerät ins Schleudern und kommt gerade noch kurz vor einem Zaun zum Stehen. Völlig fertig dreht der Fahrer sich um und sagt: „Machen Sie das nie wieder! Bis gestern bin ich noch einen Leichenwagen gefahren…“

Mit dem Tod ist alles aus. So sind wir es gewohnt. Da kommt dann nichts mehr. Schluss, fertig, aus!

Jesus lebt – immer!
So war es am Karfreitag auch. Jesus war tot. Gekreuzigt und begraben. Die Verantwortlichen hatten einen großen Punkt hinter sein Leben gesetzt. Alles, was seine Jünger erwartet hatten, endete in einer Sackgasse. Mit dem Punkt endet der Satz. Mit dem Tod endet das Leben. Mit der Kreuzigung endet das Problem „Jesus“. Dachten jedenfalls die Menschen!
Aber dieser Punkt war nötig. Er gehörte zu dem Plan Gottes. Denn er setzt einen zweiten Punkt dazu und macht einen Doppelpunkt daraus. Es war der Start für etwas Neues. Jetzt geht es erst richtig los. Nach dem Punkt beginnt ein neuer Satz. Nach dem Doppelpunkt kommt das Ergebnis. Da tippt uns jemand auf die Schulter, wo wir nie mit gerechnet hätten.
Uns fällt es schwer, diesen Doppelpunkt zu sehen, weil wir gedanklich immer noch den Leichenwagen fahren. Jesus hatte da einen ganz anderen Blickwinkel. Er sagt: „Ich lebe!“ Aber bei ihm heißt es nie „noch“, sondern: „Ich lebe immer. Ich bin ewig.“ Denn Jesus weiß, woher er kommt.

Das Wort „aus“ beschreibt nicht nur das Ende, sondern immer auch die Herkunft. Ich sage, aus welcher Stadt ich komme, aus welchem Geschäft ich diese Schuhe habe, aus welchem Buch ich vorlese.
Und Jesus kann sagen: „Ich lebe immer, weil ich aus der Herrlichkeit komme“. Er kommt von Gott, aus der Ewigkeit, aus dem Reich seines Vaters. Und er kommt, um sein Leben zu geben, um freiwillig zu sterben. Denn nur durch seinen Tod können wir Menschen erlöst werden. Dieser Punkt, den die Menschen hinter das Leben von Jesus setzen, ist ein Teil von Gottes Plan. Weil alle Menschen Sünder sind und keiner vor Gott bestehen kann, haben wir den Tod verdient (Röm 3,23). Aber jetzt kommt einer, der für alle stirbt. Freiwillig. Er kommt aus der Herrlichkeit und geht in den Tod.
Paulus schreibt es so: Das ist die „Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist,…, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.“ (1.Kor 2,7+8)

Von diesem Plan Gottes spricht Jesus in diesen Kapiteln (Joh 13-17) mit seinen Jüngern. Er kündigt an, dass er sterben wird und sagt: „Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Aber ihr sollt mich sehen, denn ich lebe,…“
Damit sagt er: „Ich werde sterben, aber es bleibt nicht dabei. Denn Gott wird mich wieder auferwecken.“ Das konnten die Jünger nicht begreifen. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass einer sagt: „Ich lebe immer! Der Tod ist für mich keine endgültige Grenze.“ Sie kannten nur den Punkt und nicht den Doppelpunkt.
So ging es vielen. Die Engel mussten den Frauen am Grab sagen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ (Lk 24,5). Der auferstandene Jesus Christus sagt dem Apostel Johannes: „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit...“ (Off 1,17+18)
Jesus lebt – immer! Die Menschen setzen einen Punkt, aber Gott setzt einen drauf.

Und Jesus verspricht: „Ihr werdet mich sehen, denn ich lebe“. Damit spricht er von seiner Auferstehung. Denn da haben ihn die Jünger wieder gesehen und auch mehrere andere Menschen, die an ihn geglaubt haben. Aber sehen bedeutet nicht nur wahrnehmen, sondern begegnen. Es ist nicht nur optisch, sondern persönlich. Das meinen wir, wenn wir sagen „Wir sehen uns…!“ Da geht es nicht nur um die Augen, sondern um die Gemeinschaft. Wir werden zusammen sein und Zeit haben.
Jesus hat alles auf dieser Erde mit diesem Ziel getan. Er ist am Kreuz gestorben, um mich von der Sünde zu befreien, die mich von Gott trennt. Weil er mir vergibt, kann ich Gott begegnen. Ich darf als sein Kind zu ihm kommen.
Und als Gott Jesus von den Toten auferweckte, hat er dafür gesorgt, dass diese Gemeinschaft nie mehr aufhören muss. Sie ist nicht auf mein Leben hier auf der Erde beschränkt. Sie ist für immer! Dafür setzt Gott alles ein.
Und wenn Jesus sagt: „Ihr werdet mich sehen“, meint er nicht nur „nach meinem Tod!“, sondern auch: „nach eurem Tod!“

Ihr sollt leben – immer!
Darum sagt er: „Ich lebe und ihr sollt auch leben! An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.“ (Joh 14,19+20) „Ihr werdet leben wie ich. Für immer in der Gemeinschaft mit dem Vater.“ Wer Jesus als Erlöser annimmt, für den ist der Tod nicht mehr die Endstation.

Mir hilft dabei ein Bild. „Wer Jesus ins Herz geschlossen hat, den wird er durch den Tod hindurch ins ewige Leben ziehen. Wie eine Lokomotive, die bereits durch den Tunnel hindurch ist, während die Waggons noch hinein müssen.“ (Andreas Malessa Kawohl-Verlag, Karte Nr. 28505)
Der Tod ist wie ein Tunnel, in den jeder von uns hinein muss. Und Jesus ist schon durch. Ich muss nur bei ihm angekoppelt sein. Mehr nicht! Ich muss nichts aus eigener Kraft tun. Ich muss den Tod nicht besiegen. Ich muss dem Berg nicht ausweichen, den Tunnel nicht schönreden, die Dunkelheit nicht beseitigen. Ich muss mich nur an die Lokomotive hängen! Dann werde ich gezogen. Und überall, wo die Lokomotive ist, komme ich als Waggon auch hin.

„Ihr werdet auch leben.“ Das sagt die Lokomotive, die mich zieht. Der Herr, dem ich vertraue. Auf seine Kraft kommt es an. Darum heißt es in einem Osterlied (Christian Fürchtegott Gellert, 1757):
„Jesus lebt, mit ihm auch ich, Tod, wo sind nun deine Schrecken.
Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken.“
Und in der Offenbarung bekennt der Apostel Johannes: „Jesus Christus ist der vertrauenswürdige Zeuge, der als Erster von den Toten auferstanden ist und jetzt über alle Könige der Erde regiert.“ (Off 1,5)

Da wird deutlich, was sich durch Ostern verändert hat. Jesus kam aus der Herrlichkeit, um uns durch seinen Tod zu erlösen. Und weil er damit den Plan Gottes erfüllt, hat Gott ihn auch erhöht (Phil 2,9). Er hat ihn zurück in seine Herrlichkeit geholt. Das feiern wir an Himmelfahrt. Da wurde Jesus wieder als König eingesetzt. Seine Dornenkrone wurde getauscht mit der Königskrone. (Offb 14,14; 19,12)
Jesus ist der „Herr der Herrlichkeit“. Gott hat ihn aus dem Tod in die Herrlichkeit zurückgeholt.

Aber er kommt nicht allein. Denn jetzt sind wir ja mit ihm verbunden („ihr in mir und ich in euch“ Joh 14,20). Darum ist sein Weg jetzt auch meine Lebensrichtung! Ich komme aus dem Tod. Das ist meine Herkunft, meine Vergangenheit. Ich fahre einen Leichenwagen. Alles, was ich tue, ist vergänglich, es wird nicht bleiben. Und ich muss einmal alles wieder loslassen.
Aber durch Jesus ist der Tod nicht mehr mein Ziel. Er ist nicht mehr das Ende, denn mit dem Tod ist es „aus“, er hat verloren. Weil Jesus mich herausgeholt und befreit hat, darf ich jetzt leben – für immer. Mein Leben war wie ein Waggon, der allein auf den Schienen steht. Aber jetzt habe ich eine Lokomotive, die mich zieht. Ich kann wie Paulus sagen: „Ich lebe; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ (Gal 2,20)

Das hat zwei Auswirkungen.
Die eine betrifft meine Zukunft. Weil ich mit Jesus verbunden bin, werde ich mit ihm auch in der Herrlichkeit ankommen. Ich bin nicht nur herausgerufen und befreit aus dem „Reich der Finsternis“ (Kol 1,13), sondern auch in das Reich von Jesus hineinversetzt. Ich bin „gekrönt mit Gnade und Barmherzigkeit“ (Ps 103,4). Ich bin Gottes Kind und gehöre zu dem König aller Könige. Das war von Anfang an Gottes Ziel für mein Leben. Paulus nennt es „die Weisheit Gottes, … die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit… “ (1.Kor 2,7)

So heißt es auch in der zweiten Strophe des Osterliedes:
„Jesus lebt, ihm ist das Reich über alle Welt gegeben.
Mit ihm wird auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht. Das ist meine Zuversicht.“
Das ist die Perspektive für mein Leben. Ich komme aus dem Tod und darf mit Jesus in die Herrlichkeit gehen.

Die zweite Auswirkung betrifft meine Gegenwart. Ich bin noch nicht in der Herrlichkeit. Ich lebe jetzt auf dieser Erde. Aber hier bin ich mit meinem Herrn unterwegs. Ich lebe heute mit ihm auf das große Ziel zu.
Dafür muss Jesus mir immer wieder im Alltag auf die Schulter tippen und mich daran erinnern: „Du fährst nicht im Leichenwagen, sondern bist mit mir unterwegs.“ Wenn ich wieder mal müde bin und das Gefühl habe, dass alles keinen Zweck hat. Wenn ich keine Lust habe auf den Tag und mich alles nur runterziehen will. Wenn mir die Kraft fehlt, wenn ich Menschen am liebsten aufgeben möchte.
Weil Jesus lebt, sagt er mir: „Du lebst nicht auf den Tod zu, sondern auf die Herrlichkeit. Du fährst keinen Leichenwagen mehr, sondern im Zug des Lebens. Du bist mit mir unterwegs. Und das verändert jeden Tag.“
Jesus Christus spricht: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Für immer.

Und das möchte ich mit euch gemeinsam bekennen mit den Worten von Johannes aus der Offenbarung (Off 1,5+6):
„Jesus Christus ist der vertrauenswürdige Zeuge,
der als Erster von den Toten auferstanden ist
und jetzt über alle Könige der Erde regiert.
Ihm, der uns liebt und uns durch sein Blut von unseren Sünden erlöst hat,
der uns zu Königen in seinem Reich und zu Priestern für seinen Gott und Vater gemacht hat,
ihm gebührt die Ehre und die Macht für immer und ewig. Amen.“