"Neues Leben durch Jesus" - Römer 5,1

Wir feiern das Leben. Und wir haben viel Grund dazu. Gerade in dieser Zeit. Denn zu Ostern hat Gott seinen Sohn Jesus von den Toten auferweckt. Seitdem ist das Leben mit dem Tod nicht zu Ende. Wir gehen auf Himmelfahrt zu. Da ist Jesus Christus wieder als König über alles eingesetzt worden. Und zu Pfingsten hat er uns den Heiligen Geist geschickt. Durch ihn werden wir erfüllt, damit wir diese Botschaft weitergeben können. Wir ehren Jesus als den König und Herrn und unser Leben sprudelt über von der Liebe, die er uns geschenkt hat. Zwischen Ostern und Pfingsten liegen 50 Tage, die unsere Welt und mein Leben für immer verändern können. Für jeden, der an Jesus glaubt, gilt: Weil Jesus lebt, habe ich das ewige Leben. Weil er der König ist, gibt es für mich keine ausweglose Lage mehr. Und weil sein Geist in mir wohnt, ist mein Leben erfüllt. Das will ich mit euch in den nächsten Predigten bis Pfingsten vertiefen.

Wir haben viel Grund, um dieses neue Leben zu feiern. Aber wir brauchen immer etwas Zeit, bis wir diese Tatsache begreifen. Denn sie fordert von uns eine Entscheidung. Ich muss mein altes Leben loslassen, bevor ich dieses neue Leben bekommen kann. Diese Entscheidung ist schon im Neuen Testament mit der Taufe verbunden. Sie ist ein Zeichen dafür, dass ein Mensch sein Leben Jesus anvertraut. Sie zeigt, wie das Alte untergetaucht wird und das neue Leben beginnt. Mit Jesus als dem Herrn, der uns mit seinem Geist erfüllt. Die Taufe zeigt das neue Leben durch Jesus.
Das dürfen wir heute mit Sandra zusammen feiern. Darum führt dieser Gottesdienst hin zu ihrer Taufe. Und es kann fast keinen besseren Zeitpunkt geben!
Der Taufvers, den Sandra sich ausgesucht hat, fasst das große Geschenk und ihre Entscheidung für Jesus sehr gut zusammen. „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.“ (Röm 5,1)

Gerecht geworden
Das neue Leben durch Jesus hängt eng zusammen mit dem Begriff „gerecht“. Dabei geht es im Tiefsten nicht um Ausgeglichenheit und Fairness, sondern um Gemeinschaft. Ganz kurz zusammen gefasst bedeutet „gerecht“: Es passt zueinander (mundgerecht serviert, maßstabsgerecht gebaut, artgerecht gehalten). Es entspricht dem Original, erfüllt die Voraussetzungen und dient einem gemeinsamen Ziel.
Dieser Gedanke steckt auch in dem mathematischen Zeichen für „entspricht“. Es besteht aus einem Gleichheitszeichen mit einem Dach (?). Es wird immer dann verwendet, wenn zwei Größen unterschiedlicher Art miteinander in Bezug gesetzt werden (100 Punkte ? Note 1; 1000 Meter ? 12 Minuten). Diese beiden Seiten sind nicht gleich, aber passend. Sie entsprechen einander. Das ist „gerecht“.

Im Blick auf die Bibel bedeutet das: Gott will mit uns Menschen für immer zusammen sein. Er liebt die Gemeinschaft mit uns. Darum hat er von Anfang an alles so geschaffen, dass wir bei ihm sein können. Wo Gott ist, da ist Herrlichkeit. Denn er ist heilig, gerecht und gut. Und die Menschen lebten in ungetrübter Gemeinschaft mit Gott, in seiner Herrlichkeit. Sie waren anders als er, und doch sein Ebenbild. Nicht gleich, aber gerecht. Und alles war geprägt von Gottes Liebe.

Aber als die Menschen Gott nicht mehr vertraut haben, wurden sie „ungerecht“. Sie haben gezweifelt, ob Gott sie wirklich liebt und durch ihr Verhalten gezeigt: „Du enthältst uns etwas vor, du gönnst uns nicht, was unser Leben schöner, besser und reicher macht. Darum müssen wir es uns selbst nehmen.“ Durch diese Entscheidung wurden die Weichen für alle Menschen gestellt. Durch die Sünde wurde die Gemeinschaft mit Gott zerstört. Wir wurden „ungerecht“. Wir passten nicht mehr zu Gott.
 Davon schreibt Paulus kurz vorher: „Sie sind alle Sünder und haben die Herrlichkeit verloren, die Gott ihnen zugedacht hatte.“ (Röm 3,23)
Es ist wie in einem Verein. Wer sich nicht an die Regeln hält, der wird bestraft. Wer dauernd zu spät kommt, seinen Beitrag nicht bezahlt oder sich nicht blicken lässt, ist „ungerecht“. Sein Verhalten dient nicht dem Zusammenhalt. Und am Ende fliegt er raus.
Das gilt für jede Freundschaft. Wenn einer nur an sich denkt, andere rücksichtslos ausnützt und nicht die Wahrheit sagt, dann ist er „ungerecht“. Er dient nicht der Gemeinschaft. Auf dieser Basis kann keine Freundschaft durchhalten.

Das ist unsere Situation seit dem Sündenfall. Wir sind von Gott getrennt. Und trotzdem sehnen wir uns nach der Gemeinschaft mit ihm und seiner Liebe. Das entspricht einfach unserer Art, weil wir als sein Ebenbild geschaffen worden sind. Aber auf der anderen Seite wollen wir auch unsere Selbstbestimmung und Liebhabereien nicht aufgeben. Wir wissen doch selbst am besten, was für uns gut ist!
Deshalb versuchen viele Menschen, einen Mittelweg zu finden. Sie wollen Gott gerecht werden, ohne von ihm abhängig zu sein. Sie versuchen, ein gutes Leben führen und sich zu ihm hinzuarbeiten. Aber sie wissen nie, ob es genügt. Andere ignorieren Gott und suchen sich selbst etwas, von dem sie hoffen, dass es ihr Leben schöner macht und Sinn gibt (Hobby, Arbeit, Geld, Action…). Aber all das ändert nichts an der Tatsache: Durch die Sünde sind wir draußen! Wenn wir die Gemeinschaft mit Gott mit einem Haus vergleichen, sehen wir den Lichtschein, der aus dem Fenster fällt. Manche schauen sehnsüchtig hinein, andere machen sich draußen ihr eigenes Lagerfeuer. Aber kein Mensch hat den Schlüssel, mit dem er hineinkommt.
Darum wirkt Gott auf uns ungerecht! Er macht es uns unnötig schwer. Er will, dass wir die Gebote befolgen, keine Fehler machen und alles in Ordnung bringen, bevor wir zu ihm kommen können und er uns wieder liebhaben kann. Aber wer soll das schaffen?

Ist euch schon mal aufgefallen, dass wir keinen Menschen aus der Ferne richtig kennenlernen können? Wenn wir sie immer nur beobachten, ist alles von unseren eigenen Gedanken geprägt. Du siehst, welche Kleidung der andere trägt und schließt dadurch auf seinen Charakter. Du siehst, wie sich zwei Menschen angeregt unterhalten und denkst, dass sie bestimmt über dich reden. Du liest eine Mail und hörst nur Vorwürfe und Anklagen heraus, weil du gerade unzufrieden mit dir selbst bist.
So wie ich es neulich in einer Geschichte gelesen habe:
„Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt der Mann, hinüberzugehen und ihn auszuleihen.
Doch da kommen ihm Zweifel: „Was ist, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Er hat mich gestern schon nur so flüchtig gegrüßt. Vielleicht hatte er es eilig. Aber vielleicht war die Eile auch nur vorgetäuscht und er hat etwas gegen mich. Aber was? Ich habe ihm doch nichts getan, wenn mich jemand um ein Werkzeug bitten würde, wäre ich sofort dazu bereit. Solche Leute wie sein Nachbar vergiften einem das Leben. Und nachher bildet der sich noch ein, ich wäre auf ihn angewiesen! Bloß, weil er einen Hammer hat! Jetzt reicht es mir aber…“
Und so stürmt der Mann hinüber, klingelt bei seinem Nachbarn und bevor der „Guten Morgen!“ sagen kann, schreit er ihn an: „Behalten sie doch ihren Hammer, sie Rüpel!“
(nach Paul Watzlawick: „Anleitung zum Unglücklichsein“ Pieper Verlag GmbH, München)

Ich kann keinen Menschen aus der Ferne kennenlernen. Manchmal stört mich, wie andere ihren Glauben leben und welche merkwürdigen Ansichten sie haben – bis ich mit ihnen ins Gespräch komme und merke, wie nahe wir eigentlich beieinander sind!
Gott wird oft aus der Entfernung beurteilt. Und wir sind überzeugt: Er ist ungerecht! Warum lässt er uns nicht rein und macht es uns so schwer?
Aber je näher du Gott kommst, desto deutlicher wird: Er leidet unter der Trennung von uns. Er will, dass wir Menschen wieder zu ihm kommen. „Er will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1.Tim 2,4)
„Es ist nicht der Wille bei eurem Vater im Himmel, dass auch nur eines von diesen Kleinen verloren werde.“ (Mt 18,14)
Aber wie will er das schaffen? Wenn die Sünde das Problem ist – wie kann sie verschwinden? Wir sehen die Sünde oft wie Schulden. Und die müssen bezahlt oder abgearbeitet werden. Aber wie hoch ist der Preis für Diebstahl und Betrug? Was kostet ein böses Wort? Wie teuer ist ein Mord? Wie sollen die unterschiedlichen Sünden bewertet und abgearbeitet werden? Was ist da gerecht? Wir brauchen etwas, das alle Menschen erfüllen können. Wo keiner von vornherein ausgeschlossen ist. Wo jede Sünde beseitigt wird. Darum ist die Frage: Gibt es einen Schlüssel, der für alle passt? Wo jeder die gleiche Chance hat? Was ist wirklich gerecht? Wie geht Gott damit um?
In dem Film „Die Hütte“ hat ein Mann seine jüngste Tochter durch ein Gewaltverbrechen verloren. Er klagt dafür Gott an. Und der ermöglicht ihm in einer Höhle ein Gespräch mit der Weisheit, dargestellt durch eine Frau.
Sie stellt ihn vor die Entscheidung: „Du hast noch zwei Kinder und mußt festlegen, welches deiner Kinder in den Himmel kommt und welches in die Hölle! Beide haben dir wehgetan und dich enttäuscht.“ Immer wieder sagt sie ihm: „Du musst entscheiden!“ Und schließlich sagt er: „Nimm mich! Aber lass meine Kinder leben!“ Und da sagt die Weisheit: „Jetzt hast du Papas Herz verstanden!“
Gott ist gerecht. Er ist so sehr an der Gemeinschaft mit uns interessiert, dass er alles tut, damit wir zu ihm kommen können. Er opfert sich selbst, damit jeder von uns kommen kann. Er gibt seinen Sohn Jesus, damit er mich nicht verliert. Er zeigt seine Liebe durch Jesus. Das ist das Fundament der Gerechtigkeit. Und davon schreibt Paulus direkt vorher: „Wegen unserer Sünden musste Jesus sterben, und er wurde auferweckt, um uns vor Gott gerecht zu sprechen.“ (Röm 4,25 (NL)

Durch Glauben
Und erst dann kommt das Ergebnis: „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben.“
Gerecht werde ich durch den Glauben. Sie ist die Antwort, die ich auf Gottes Liebe geben muss.
Glaube bedeutet: „Ich nehme es für mich an.“ Mehr muss ich nicht tun. Was Gott versprochen und vorbereitet hat, gilt mir und das genügt. Auch wenn ich nicht alles verstehe - es passt genau! Ob ich gerecht bin, hängt nicht mehr an Gott, sondern an mir. Ob ich ihm seine Liebe glaube.
Diese Antwort sieht bei jedem anders aus. Auch Sandra hat diese Liebe Gottes erkannt und gesagt: „Das gilt – für mich!“ Davon wird sie uns nachher erzählen. Jeder hat seine Geschichte, aber jeder muss Gott diese Antwort geben: „Ich glaube dir!“

Vor einigen Jahren klingelte ein Mann an unserer Haustür und fragte, ob er ein paar Werbeplakate für einen Zirkus an unseren Zaun hängen darf. Ich würde dafür auch Freikarten bekommen. Er gab mir fünf Zettel, auf denen stand, dass man sie an der Zirkuskasse gegen Eintrittskarten einlösen könnte. Als ich im Internet nachschaute, stellte ich fest, dass der Eintritt für eine Person fast 30 Euro kostet. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese bunten Zettel so einen Wert haben sollten und war mir sicher, dass es da noch einen dicken Haken an der Sache gibt.
Als der Zirkus ein paar Tage später aufgebaut wurde, habe ich mein Glück versucht und der Frau an der Kasse meine Zettel gegeben. Ich war gespannt, was sie sagen würde! Und sie fragte nur, welchen Termin wir möchten und wo wir sitzen wollten. Wir hatten nicht nur kostenlosen Eintritt, sondern konnten uns die besten Plätze aussuchen. So haben wir ein paar Tage später einen besonderen Familien-Abend erlebt.
Seitdem bin ich gerne bereit, unseren Zaun als Werbefläche zur Verfügung zu stellen – aber so ein Angebot  gab es nie wieder!
Mir ist durch dieses Erlebnis deutlich geworden, was Glauben heißt. Ich glaube dem, was auf dem Zettel steht! Ich nehme das Versprechen in Anspruch. Und durch Jesus bekomme ich nicht nur freien Eintritt in einen Zirkus, sondern Zugang zu Gott. Ich nehme Gott beim Wort und glaube ihm seine Liebe. In dem Moment bin ich gerecht! Nicht weil ich etwas geleistet habe, sondern weil ich geglaubt habe. Jesus gibt uns dieses neue Leben. Ich bin zurück in Gottes Herrlichkeit. „Wir sind gerecht geworden durch den Glauben!“
Aber dieses Angebot gibt es nicht ständig und überall. Darum ist die Frage, wie du darauf reagierst? Vertraust du Gott? Glaubst du ihm seine Liebe? Lässt du sie an dich heran?

Frieden mit Gott
Wer das tut, der hat „Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.“ Der Frieden ist wie das Dach, das über allem steht.
Frieden mit Gott bedeutet: Es ist zwischen uns alles gut. Ich bin hier zu Hause.
Frieden mit Gott bedeutet: Ich habe hier einen Schutzraum. Niemand kann mich aus seiner Hand reißen. Hier bin ich sicher.
Frieden mit Gott bedeutet: Es gibt für mich keine Konkurrenz mehr für Gott. Er ist einzigartig. Darum zweifle ich nicht mehr an seiner Liebe. Denn ich gehöre zu ihm.
Ich bin in seiner Herrlichkeit. Umgeben und erfüllt von seiner Liebe.
Darum werden wir Sandra nachher auch untertauchen. Das alte Leben ist für sie vorbei. Und gleichzeitig ist sie ganz umgeben von Gottes Liebe. Von ihm eingehüllt und erfüllt.
Denn für sie gilt das, was Paulus am Ende von seinem Gedankengang schreibt: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Röm 5,5)

Jeder, der an Jesus glaubt, darf sagen: „Ich bin gerecht geworden! Das gilt, egal, was in meinem Leben noch passiert. Weil ich seine Einladung angenommen habe, lebe ich jetzt im Frieden mit Gott. Seine Liebe zu mir steht fest!“ Das ist das neue Leben durch Jesus. Das bietet er dir heute an. Genauso, wie er es Sandra geschenkt hat.
Amen