"Warum ich Jesus gehöre" - Galater 2,20

Es gibt viele T-Shirts mit Aufdrucken, die sich wie ein Bekenntnis oder eine Charakterbeschreibung anhören. Da kann man dann z.B. lesen „Papas Liebling“, „lernresistent“, „beste Mama der Welt“ oder: „Ich bin 40 – bitte helfen sie mir über die Straße!“. Ich weiß oft nicht, warum das getragen wird. Ist da jemand stolz oder will er einfach nur witzig sein?
Ich bin kein Freund von T-Shirt-Botschaften. Aber eine Aufschrift hat es mir angetan: „VERGEBEN“. Wer das trägt, der sagt seiner Umgebung: Ich bin vergeben. Und jeder versteht sofort, was damit gemeint ist: Der ist in festen Händen. Der ist nicht mehr zu haben.
Für mich fasst dieses Wort einen Vers besonders gut zusammen, den der Apostel Paulus an die Christen in der Landschaft Galatien schreibt:
„Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.
Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes,
der mich geliebt und sich selbst für mich dahingegeben hat.“ (Gal 2,20)

Ich bin VERGEBEN!
Paulus ist stolz auf Jesus. Und darum kann er voller Überzeugung sagen: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ Er weiß: Ich bin vergeben – an Jesus. Er hat mein Herz gewonnen. Und jetzt gehöre ich ihm. So eine enge und vertraute Beziehung kennen wir sonst nur von der Ehe. Da sagt der Ehemann: Ich bin vergeben – an meine Frau. Und diese Beziehung prägt mein Leben. Ich lebe mit diesem Menschen, den ich liebe. Darum will ich tun, was ihr gefällt, was unserer Ehe dient und unsere Liebe stärkt.
Und so sagt Paulus auch: Ich bin vergeben – an Jesus. Ich lebe mit ihm. Und alles, was ich tue, ist von dieser tiefen Verbindung geprägt.
Im Galaterbrief betont er das ganz besonders. Die Menschen in der Landschaft Galatien stammten ursprünglich aus Gallien, und wurden von Paulus auf der zweiten und dritten Missionsreise besucht. Dabei kamen einige zum Glauben und gründeten Gemeinden. Sie freuten sich über ihre neue Freiheit. Denn jetzt mussten sie keine Opfer mehr bringen, um alle möglichen Götter zufrieden zu stellen. Sie brauchten keine Furcht mehr vor bösen Geistern haben, weil sie wussten: Jesus genügt!
Aber dann kamen einige Juden, die ihnen sagten, dass sie erst dann richtig als Christen leben, wenn sie auch die jüdischen Feste und Gesetze einhalten. Das hat sie sehr irritiert. Darum macht Paulus ihnen klar, dass es nicht auf diese äußeren Dinge ankommt. Kein Mensch gehört zu Gott, weil er Regeln und Feiertage hält (Gal 2,16). Wer Jesus Christus als seinen Heiland annimmt, der ist durch den Glauben ein Kind Gottes. Äußerliche Regeln können helfen, diese Beziehung zu pflegen. Aber sie sind nie die Voraussetzung.
Ich bin nicht verheiratet, weil ich jedes Jahr unseren Hochzeitstag feiere und regelmäßig mit meiner Frau in den Urlaub fahre. Aber diese festen Zeiten helfen mir, die Liebe zu meiner Frau wachsen zu lassen und unsere Ehe zu pflegen, die seit unserer Trauung feststeht.
Das Bekenntnis von Paulus heißt: Ich bin vergeben – an Christus. An ihm hängt alles. Und nur er macht mich wirklich frei und sicher. Denn ich muss nicht mehr kämpfen, um bei Gott anzukommen, sondern ich bin schon da! Ich bin nicht mehr zu haben.

Ich bin „VERGEBEN“. Dieses Bekenntnis zeigt: Ich habe mein Herz verschenkt. Ich bin nicht erobert, besetzt oder gefangen worden, sondern ich habe mich vergeben. Es war meine Entscheidung! Freiwillig. Diese Entscheidung bringt viel Ruhe in mein Leben. Denn weil ich Christus gehöre, stehe ich keinem anderen mehr zur Verfügung! Jede Entscheidung für eine Seite bedeutet, dass ich mich gegen alle anderen Möglichkeiten entschieden habe. Ich muss mich nicht mehr irgendwo beliebt machen oder anbieten. Ich bin schon vergeben. Ich weiß, wo ich hingehöre!
Darum hat mein Chef ein Recht auf die Arbeitszeit, für die er mich bezahlt, aber kein Recht auf mein Leben. Die Sünde hat kein Recht auf meine Gedanken, keine dunkle Macht ein Recht auf meine Seele. Kein Götze darf bestimmen, was ich tue. Ich bin vergeben!
So schreibt Paulus das auch in einem anderen Brief: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2.Kor 5,17)
Für ihn hängen daran zwei entscheidende Aussagen:

Mir ist VERGEBEN!
Paulus schreibt: „Christus…, der mich geliebt und sich selbst für mich dahingegeben hat.“ Ich konnte mich für Christus entscheiden, weil er mich zuerst geliebt hat. Jesus hat sein Leben für mich geopfert. Durch seinen Tod am Kreuz hat er meine Sünde vergeben und alles aus dem Weg geräumt, was uns trennt. Darum bin ich gerecht vor Gott. Diese Tatsache betont Paulus immer wieder. Deshalb hat er den Galatern „Christus als den Gekreuzigten vor Augen gemalt“(Gal 3,1).
Paulus sagt es sehr persönlich: „Mir ist vergeben!“ Damit gibt er zu: Ich bin schuldig geworden. Ich habe versagt, habe die Gebote nicht gehalten, habe Menschen verletzt und Gott nicht vertraut. Sein Bekenntnis macht mir Mut, auch zu meiner Schuld zu stehen. Denn jede Sünde erscheint in einem anderen Licht, wenn sie vergeben ist. Jede Rechnung sieht anders aus, wenn sie bezahlt ist. Ich kann ganz anders darüber erzählen. Mir ist VERGEBEN! Darum kann ich meine Sünde bekennen. Sie belastet mein Leben nicht mehr.
Wenn Jesus die Sünde vergibt, dann ist sie weg, ausgelöscht, nicht mehr da. Es gibt keine Kopie, keine Sicherheitsdatei, keine Mülldeponie, aus der sie wieder herausgesucht werden könnte. Mir ist VERGEBEN. Das ist ein Bekenntnis, bei dem ich nur aufatmen kann. Christus hat „mich geliebt und sich selbst für mich dahingegeben.“ Mit diesem Herrn will ich mein Leben führen.
Aber es reicht tiefer. Denn Paulus schreibt nicht: Ich lebe mit Christus, sondern „Christus lebt in mir“. Er ist nicht nur die Freude, der Reichtum und der Inhalt meines Lebens. Sondern er ist mein Leben. Er hat mein Leben frei gemacht, damit er als Herr in mir wohnt kann. Darum ist jetzt alles von dieser Freiheit und von seiner Liebe geprägt. Die Entscheidung für ihn bringt nicht nur Ruhe in mein Leben, sondern Kraft und Bewegung. Ich bin nicht nur geborgen in dieser Liebe, sondern davon erfüllt und bewegt. Seine Liebe drängt mich (2.Kor 5,14). Ich stehe nicht nur im Licht, sondern dieses Licht ist in mir. Und es leuchtet aus meinem Leben heraus.
Major Ian Thomas, der Gründer der Fackelträger-Bewegung hat das einmal besonders gut auf den Punkt gebracht:

„In Christus sein“ bedeutet Erlösung –
aber „Christus in dir“ bedeutet Heiligung.
„In Christus sein“ bedeutet eine neue Zukunft –
aber „Christus in dir“ bedeutet eine neue Gegenwart.
„In Christus sein“ macht den Himmel zu deiner Heimat –
„Christus in dir“ macht die Erde zur Werkstatt Gottes.
(aus: W. Ian Thomas „Christus in euch – Dynamik des Lebens“, SCM-Verlag)

Wenn ich in Christus bin, in seiner Liebe und in seinem Licht, dann bin ich frei („In Christus eine neue Kreatur“). Ich weiß, wo ich hingehöre. Mein Leben bekommt Ruhe und ein klares Ziel. Aber weil Christus in mir ist, bekommt mein Leben Kraft und Dynamik. Es wird verändert und bekommt eine Ausstrahlung von innen.
Darum heißt die zweite Grundlage für Paulus:

Ich kann VERGEBEN!
Wenn Christus mit seiner ganzen Liebe und Macht in mir ist, verändert es mein Leben. Es wirkt sich aus. Paulus schreibt es so: „Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes.“
Ich lebe „im Fleisch“. Das bedeutet: Ich bin ein Mensch in dieser Welt. Vergänglich und immer anfällig für die Sünde. Ich habe Sehnsüchte, ich habe Triebe und Wünsche. Ich bin von Hormonen beeinflusst. Und ich lebe mit anderen Menschen zusammen, die genauso vergänglich und anfällig sind wie ich. Das bleibt, solange ich auf der Erde bin. Das spüre ich in meiner Familie, in meinem Beruf und auch in unserer Gemeinde.
Aber weil ich vergeben bin, lebe ich im Glauben an Jesus. Ich vertraue ihm mitten im Alltag. Er lebt in mir. Mit seiner Liebe und seiner Macht. Die Sünde greift mich an. Sie versucht mich zu umgarnen, sich in meinen Gedanken einzunisten, mich von Jesus wegzuziehen und mich runterzudrücken. Aber sie darf mich nicht mehr beherrschen. Denn mein Herz gehört Jesus. Ich bin vergeben. Ich weiß, zu wem ich gehöre.
Und darum lebe ich im Vertrauen auf Jesus. Oder kurz zusammengefasst: „Ich kann VERGEBEN!“
Bist du schon mal einem Menschen begegnet, der das ausstrahlt? „Ich kann vergeben!“ Das tut echt gut und entlastet jede Begegnung. Das will ich lernen, denn hier zeigt sich, wie Jesus mein Leben verändert und mir einen neuen Blick schenkt. Ich lebe weiter als Mensch, „im Fleisch“, aber ich lebe mit Jesus. Ich kann ihm alles anvertrauen, denn ich lebe „im Glauben an den Sohn Gottes“. Das bedeutet:

- Wenn Menschen an mir schuldig werden und mir wehtun: Ich kann ihnen vergeben! Weil Christus in mir ist, braucht keine Sünde mehr zwischen uns stehen.
- Wenn ich schuldig werde und die Sünde mich belastet: Ich kann sie vergeben! Ich kann sie bei Jesus abgeben, weil er für alles schon bezahlt hat.
- Wenn ich mir Sorgen mache um meine Kinder, meine Eltern, meine Gesundheit: Ich kann sie vergeben! Ich darf diese Sorgen auf Jesus werfen. Und er kümmert sich darum. Darum will ich sagen: „Du bist der Herr und machst mich frei!“
- Wenn ich mit meinen Aufgaben nicht klar komme und an mir selbst zweifle: Ich kann meine Last vergeben! Auch diese Fragen und Probleme muss ich nicht alleine schleppen.
- Wenn Menschen mir am Herzen liegen, aber ich keine Antwort finde auf ihre Fragen. Wenn ihre Not und ihre Probleme mich überfordern. Ich kann sie vergeben!
Weil Christus in mir ist, kann ich ihn ran lassen. Ich begegne ihnen im Glauben an den Sohn Gottes. „Jesus ist da, darum reiche ich dich an Jesus weiter und lasse ihn machen. Ich stelle dich in sein Licht.“

Was ich hier „im Fleisch“ lebe, als Mensch, mit meinen Stärken und Schwächen, das lebe ich „im Glauben an den Sohn Gottes.“ Ich lebe mit Jesus! Und darum kann ich vergeben! Weil er in mir ist, mich tröstet, stärkt und hält. Dieser innere Zusammenhalt ist das Geheimnis für jede lebendige Gemeinde. Denn wir werden nicht von außen zusammengehalten (Gebäude, Mitgliedschaft, Musik, Gewohnheiten, Lehre) sondern von innen. Wir haben einen Mittelpunkt, ein Zentrum. Christus in uns. Er ist das Haupt, er ist die Hoffnung, er ist der Herr.

Aber jeder muss für sich entscheiden, wem sein Herz gehören soll. Ich habe die Wahl: Entweder gehöre ich Jesus oder irgendeiner Macht. Entweder gehöre ich dem, der alles für mich getan hat oder einem, der immer etwas von mir will. Entweder gehöre ich dem, der mich frei gemacht hat, oder einem, der mich bindet. Entweder vergebe ich mich an den, der sein Leben für mich gegeben hat, oder an einen, dem ich egal bin, wenn ich nichts mehr leisten kann.

Ich möchte es wie Paulus sagen: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.“

Ich bin VERGEBEN, weil mir VERGEBEN ist. Und darum kann ich VERGEBEN.
Ich gehöre Jesus – für immer!
Amen