"Ein besonderer Adventswunsch" - 1. Könige 3, 5-10

Ein besonderer Adventswunsch Advent ist eine Zeit der Vorbereitung. Wir bereiten uns auf Weihnachten vor. Auf den Tag, an dem wir feiern, dass Gottes Sohn in dieser Welt geboren wurde. Dazu gehört für die meisten eine schöne Dekoration, leckeres Gebäck, ein besonderer Duft, bestimmte Lieder - und eine Frage. Denn jedes Jahr höre oder sage ich mehrmals: „Was wünschst du dir?“ Oft gibt es die Antwort: „Ich weiß nicht…, vielleicht einen Gutschein…?“ Oder je älter die Menschen werden: „Ihr braucht mir nichts schenken. Ich habe doch alles.“ Wer sich nichts wünscht, kriegt am Ende oft was Praktisches oder was Hübsches. Das eine ist nett, das andere nützlich, aber was ist nötig? Ich mache am liebsten Geschenke, die etwas verändern. Die jemand wirklich braucht. Was wünschst du dir? Ein Wunsch ist die Hoffnung auf eine Veränderung. Was würdest du ant-worten, wenn Gott dir diese Frage stellt? Was hast du gerade jetzt nötig? Meine Antwort darauf und meinen Adventswunsch habe ich im Alten Testament entdeckt. In der Nacht erschien der HERR Salomo im Traum und sprach: „Bitte, was ich dir geben soll!“ Salomo antwortete: "Du hast meinem Vater David große Gnade erwiesen, weil er treu und gerecht war und aufrichtig vor dir gelebt hat. Du hast ihm in deiner Barmherzigkeit einen Sohn geschenkt, der heute auf seinem Thron sitzt. HERR, mein Gott, du hast mich, deinen Diener, anstelle meines Vaters zum König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß weder aus noch ein. Ich stehe mitten in deinem erwählten Volk, das so groß ist, dass niemand es mehr zählen kann! Darum gib deinem Diener ein Herz, das auf dich hört, damit er dein Volk recht richten und zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Wie kann ich sonst dieses große Volk regieren?" Diese Bitte gefiel dem Herrn. (1.Kön 3,5-10 nach „Neue evangelistische Übersetzung“) Gib mir ein Herz, das auf dich hört! Das ist ein echter Adventswunsch. Denn zu Weihnachten kommt Gottes Wort in die Welt, es wird „Fleisch und wohnte unter uns“ (Joh 1,14). Gott spricht zu uns durch Jesus Christus. Und dieses Wort Gottes soll bei mir ankommen – in meinem Leben! Zwischen dem Gebet von Salomo und der Geburt von Jesus liegen fast 1000 Jahre, und doch gibt es eine tiefe Verbindung. Salomo sagt: „Dein Wort ist mir so wichtig, dass ich es nicht nur hören, son-dern auch beherzigen will. Es soll mein Leben verändern!“ Wörtlich steht hier „Gib deinem Diener ein hörendes Herz“. In anderen Übersetzungen heißt es „ein gehorsames Herz“. Eigentlich sind die Ohren für das Hören zuständig. Aber hier soll das Herz hö-ren. Da ist der ganze Mensch beteiligt. In der Bibel wird das Hören oft mit dem Herzen in Verbindung gebracht: „Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen.“ (5.Mose 6,6) „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verstockt euer Herz nicht.“ (Hebr 4,7; Ps 95,7+8) „Das Wort Gottes ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.“ (Hebr 4,12) Wenn mein Herz hört, geht es tiefer, als nur bis zum Gehör. Ich höre heraus, was der andere will, weil ich ihn kenne und er mir wichtig ist. Wenn meine Frau fragt: „Möchtest du einen Kaffee?“, dann meint sie damit nicht, ob sie mir eine Tasse Kaffee bringen soll, sondern ob wir uns zusammen ins Wohnzimmer setzen und ihn gemeinsam genießen. Wenn mein Sohn fragt: „Hast du fünf Minu-ten Zeit?“, dann will er nicht wissen, was in meinem Terminkalender steht, sondern braucht meine Hilfe. Wenn mein Freund sagt: „Ich war heute beim Arzt.“, dann will er mich nicht informieren, wo er war, sondern mir erzählen, was er dort erfahren hat. Ich höre mit dem Herzen. Das geht nur bei Menschen, mit denen ich vertraut bin. Ich verstehe, was sie mir sagen und lasse mich davon bewe-gen. Bin ich auch so aufmerksam, wenn Gott mir etwas zu sagen hat? Wenn er mich an Menschen erin-nert, die ich lange nicht gesehen habe. Wenn er aufdeckt, was bei mir nicht in Ordnung ist. Wenn er meine Gedanken in eine Richtung lenkt, die ich nie erwartet hätte. Was Gott sagt, ist immer wahr, es ist voller Liebe und es stärkt die Beziehung. Darum will ich es hören und mich davon bewegen lassen. „Gib mir ein Herz, das auf dich hört.“ Was Gott sagt, dringt dort am tiefsten ein, wo der Boden vorbereitetet ist. Bei Salomo werden in diesem Kapitel drei Dinge deutlich, durch die er vorbereitet war. Und alle haben etwas mit einer gesunden Beziehung zu tun: - Er hatte ein Vorbild (V.3+14) David, Salomos Vater, war ein Mann nach Gottes Herzen (1.Sam 13,14; Apg 13,22). Obwohl er Fehler gemacht und oft versagt hat, hatte er vorgelebt, wie man auf Gott vertraut und sich von ihm be-stimmen lässt („treu, gerecht und aufrichtig“ V.6). Ich schätze es, wenn Menschen ehrlich erzählen, wie Gott sie geführt hat. Wie er durch einen Bibel-vers zu ihnen gesprochen hat, wie sie getröstet oder ermutigt wurden und wie sie ihm trotz aller Fra-gen gehorcht haben. Es erstaunt mich immer wieder, wie unterschiedlich Gott mit uns redet. Das hilft mir, selber wach und aufmerksam zu bleiben. Ein Herz, das auf Gott hört, braucht Vorbilder. Denn Gott spricht immer anders. - Er suchte Gottes Gegenwart (V.4) Salomo befand sich gerade in Gibeon. Dort stand ein Altar, wo er Gott angebetet und ihm Opfer gebracht hatte. Und jetzt blieb er dort über Nacht. Gebe ich Gott die Gelegenheit, zu mir zu sprechen? Wo lasse ich alles andere zurück, um mich auf ihn auszurichten? Wie oft kommt nichts in meinem Herzen an, weil meine Ohren und Gedanken vollgestopft sind. Wo ist mein Ort, an dem hören will? Oder wie es in einem Lied heißt: „In deinem Haus will ich hören, Vater, was du zu sagen hast. Auch das will ich hören, Vater, was mir nicht passt.“ (M. Siebald) Ein Herz, das auf Gott hören will, braucht einen Ort, wo es sich öffnen kann. Denn Gott drängt sich nicht auf. Er spricht oft leise und in Momenten, mit denen ich nicht rechne. Wie bei Salomo. Da spricht Gott in der Nacht, wo er allein ist und alles andere schweigt. Aber entscheidend ist das dritte Kennzeichen: - Er liebte den Herrn (V.3) Die Liebe ist die wichtigste Voraussetzung für ein hörendes Herz. Einen Menschen, den ich liebe, höre ich aus vielen anderen heraus. Ich kenne seine Stimme, und was er sagt, bewegt mich. Wo die-se Liebe fehlt, entsteht immer Druck. Darum sagt Salomo: „Ich will hören, was du mir sagst, weil es für mich gut ist. Ich will dir gehorchen, weil ich dir vertraue.“ Liebe braucht nicht viele Worte. In einem Psalm sagt Gott: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.“ (Ps 32,8) Wenn Gott mich mit seinen Augen leitet, kommt es darauf an, dass ich auf ihn schaue. Dann entdecke ich, worauf sein Blick gerichtet ist. Ich sehe, was ihm wichtig ist und wo er mit mir hin will. Salomo hatte den Herrn lieb. Nur ein Mensch, der Gott liebt, wünscht sich ein Herz, das auf ihn hört. Denn er entdeckt: Gott hat mich zuerst geliebt. So stand es auch von Geburt an über Salomos Leben: „Der Herr liebte ihn“ (2.Sam 12,24). Und genau da setzt Gott an. Er möchte unser Herz gewinnen, weil er uns liebt. Darum kam Jesus in diese Welt und hat uns Gottes Liebe gezeigt. In ihm haben wir das beste Vorbild. Er hat immer da-rauf geachtet, was sein Vater ihm sagt. Er suchte die Zeiten, in denen er allein war und Orte, die ihm halfen, auf seinen Vater zu hören. Und er liebte seinen Vater. Darum war er gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Er schaute auf seinen Vater und sein Vater schaute auf ihn. Aber Jesus ist nicht nur das Vorbild, sondern auch die Antwort auf diese Bitte. Gott sagt an einer entscheidenden Stelle: „Das ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören.“ (Mk 9,7) Gottes Blick ist auf Jesus gerichtet. Je mehr ich auf Gottes Wort achte, desto mehr wird er mir Jesus zeigen. Er ist es, der uns die Wahrheit sagt, der uns Gottes Liebe zeigt und uns mit ihm verbindet. Ein Herz, das auf Gott hört, erkennt Jesus. Dass er als der Heiland der Welt geboren wurde und den Weg bis ans Kreuz ging, um uns von unserer Sünde zu erlösen. „Gib mir ein Herz, das auf dich hört!“ Ich kann es nicht machen oder mir erarbeiten. Aber ich kann es mir wünschen. Ein Wunsch ist die Hoffnung auf eine Veränderung. Und Gott macht mir in Jesus das Geschenk, das mein Leben verändert. So schreibt es auch Paulus: „Ich bete darum, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid.“ (Eph 3,17) Durch Jesus zeigt Gott mir die Wahrheit über mich, er bringt Gottes Liebe in mein Leben und macht mich zu seinem Kind. „Gib mir ein Herz, das auf dich hört!“ Ein wirklich guter Adventswunsch! Aber noch mehr beeindruckt mich die Begründung von Salomo. Damit ich richtig entscheiden kann „Gib deinem Diener ein Herz, das auf dich hört, damit er dein Volk recht richten und zwischen Gut und Böse unterscheiden kann.“ Salomo hat eine große Aufgabe. Er ist König und hat die Verant-wortung für ein ganzes Volk. Er muss Urteile fällen und entscheiden, was richtig und falsch ist. Von ihm hängt das Leben vieler Menschen ab. Darum sagt er: „Diese Verantwortung kann ich nur tragen, wenn du mich führst! Ich kann es alleine nicht. Mir fehlt die Weisheit, das Verständnis, der Über-blick.“ Der Wunsch von Salomo ist wirklich nötig. Darum gefällt er Gott (V.10; Jak 1,5)! Ich entdecke hier eine große Liebe für die Menschen. Salomo möchte gute Entscheidungen treffen, weil er seine Verantwortung ernst nimmt. Deshalb sagt er: „Ich will den Menschen dienen. Und das Beste, was ich ihnen geben kann, ist meine Verbindung zu dir. Ich kann meine Aufgabe nur ausfüh-ren, wenn mein Herz auf dich hört und du in mir regierst.“ Salomo erkennt Gott als den wahren Kö-nig an und ordnet sich ihm unter. Wir haben heute kein Königreich zu regieren. Aber in vielen Bereichen müssen wir entscheiden und unterscheiden. Viele haben mit eigenen oder anderen Kindern zu tun und wissen, wie schwer es ist, richtig mit ihnen umzugehen. Wie bleibst du gerecht, obwohl sie so unterschiedlich sind und jedes Kind etwas anderes braucht? Wie kannst du einen Streit schlichten, ohne jemanden zu bevorzugen? Wie kannst du dafür sorgen, dass jeder vorkommt und sie trotzdem als Gruppe zusammenwachsen? „Gib mir ein Herz, das auf dich hört, damit ich recht richten und zwischen Gut und Böse unterschei-den kann.“ Andere haben mit Patienten, Kunden und Kollegen zu tun: Wie unterscheide ich, ob jemand mich ausnutzt oder wirklich meine Unterstützung braucht? Wo sollte ich misstrauisch werden und wo einfach Vertrauen schenken? Wer braucht meine Geduld und wer eine klare Ansage? „Gib mir ein Herz, das auf dich hört, damit ich recht richten und zwischen Gut und Böse unterschei-den kann.“ Wenn du mit Mitarbeitern zu tun hast, ein Gespräch oder eine Gruppe leitest: Wie sage ich die Wahrheit, ohne zu verletzen? Wie bringe ich sie weiter, ohne sie zu überfordern? Wo muss ich ein-greifen und was sollte ich laufen lassen? Was braucht der einzelne Mensch und was ist gut für die Gruppe oder Gemeinde? „Gib mir ein Herz, das auf dich hört, damit ich recht richten und zwischen Gut und Böse unterschei-den kann.“ Eine große Hilfe sind Menschen, die mit mir darüber nachdenken: Was ist wahr, was ist liebevoll und was stärkt unsere Verbindung? Aber vor allem hilft mir der Blick auf Jesus. Er ist der König, „ein Gerechter und ein Helfer.“ (Sach 9,9) „Auf ihm ruht … der Geist der Weisheit und des Verstandes“ (Jesaja 11,2) „Er heißt wunderbarer Ratgeber,… Friedefürst“ (Jesaja 9,5) „In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Er-kenntnis.“ (Kol 2,3) Und dieser Herr wohnt mit seiner Macht, Weisheit und Liebe in meinem Herzen! Darum bitte ich: Hilf mir zu erkennen, was den Menschen dient, die du mir anvertraut hast und was uns gemeinsam bei dir hält. „Gib mir ein Herz, das auf dich hört.“ Amen Nimm mein Herz, zieh du drin ein, du allein sollst Herrscher sein. Nimm mein Wollen und mein Tun – zu deinem Ruhm. Mein Verlangen geb ich dir, es gehört nicht länger mir. Nimm mein Wollen und mein Tun – zu deinem Ruhm. (G. Förster)