"Gott alleine loben!" - Psalm 103,1

Ein Lob tut so gut. Wenn mir jemand sagt: „Das hast du gut gemacht! Es gefällt mir, wie du die Aufgabe gelöst hast! Ich bin stolz auf dich!“ Ich bin gerne mit Menschen zusammen, die loben können. Denn sie motivieren mich. Sie helfen mir, meine Arbeit gerne zu machen. Wir brauchen das Lob!
Ein Lob ist eine ehrliche und positive Äußerung über das, was ein anderer geleistet hat. Unser Wort „loben“ bedeutet ursprünglich „ etwas für lieb/gut halten“. Loben und lieben hängen also ganz eng zusammen. Wen ich liebe, den werde ich auch loben. Ihn ermutigen und stark machen. Aber genauso gilt es auch anders herum: Was ich lobe, wird mir immer lieber werden! Es wird mir wichtiger und wertvoller. Darum verändert es auch mich, wenn ich lobe. Deshalb versuche ich im Moment, drei Grundregeln für das Loben zu lernen.

- Die erste heißt: „Sag es!“ Wie oft sehe ich, wo jemand sich gut entwickelt, ich freue mich über das, was er geleistet hat. Ich denke viel Positives über einen Menschen. Aber was hat der andere davon, wenn ich es ihm nicht sage, wenn ich das Lob nicht ausspreche? Also: Nicht nur denken, sondern sagen!
- Die zweite Grundregel heißt: „gleich“. Wenn ich ein Lob nicht gleich sage oder weitergebe, kommt danach bestimmt immer etwas dazwischen. Darum will ich möglichst die erste Gelegenheit zum Loben nutzen.
- Die dritte Grundregel heißt: „vor anderen!“ Ein Lob, das ich nicht nur unter vier Augen sage, sondern vor anderen ausspreche, wirkt ganz anders. Es bekommt eine viel größere Bedeutung. Und es prägt auch die Gedanken der Menschen, die dieses Lob hören.
Sag es - gleich - vor anderen!

Das Loben verändert meine Beziehung zu anderen Menschen. Und genauso vertieft es auch meine Beziehung zu Gott. Darum ist das Lob ein ganz wichtiges Element für meinen Glauben. Ich lobe Gott. Dafür hat er uns Menschen geschaffen und ausgestattet. Wir sollen etwas sein „zum Lob seiner Herrlichkeit“ (Eph 1,12). Allerdings braucht Gott mein Lob und meine Anerkennung nicht. Aber er will es haben, weil es für mich und mein Leben wichtig ist. Weil es unsere Beziehung stark macht. Diese Bedeutung fasst ein Satz gut zusammen, der am Anfang von Psalm 103 steht: „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen.“ (Ps 103,1)

Der ganze Psalm wird das „Hohelied der Barmherzigkeit Gottes“ genannt. Er ist der Beginn von mehreren Lob-Psalmen (103-107), in denen Gott gelobt wird, weil er die Welt geschaffen hat, sein Volk Israel bewahrt und die Menschen in seiner großen Güte durchs Leben führt.
Aber dieser Psalm 103 ist etwas Besonderes. Denn hier wird Gott nie direkt angesprochen. Es wird immer nur etwas über ihn gesagt. Lob hat einen anderen Schwerpunkt als Dank oder Anbetung. Wenn ich danke, wende ich mich direkt an Gott und reagiere auf die guten Dinge, die er für mich getan hat. Ich bringe meine Erfahrungen mit Gott in Verbindung.
In der Anbetung stelle ich meine Erfahrungen zurück und konzentriere mich ganz auf Gott. Ich mache mir bewusst, wie er ist und bete ihn für seine Eigenschaften an.
Das Lob ist eine Mischung aus Dank und Anbetung. Wenn ich lobe, sage ich vor anderen, was Gott tut und wie er ist. Im hebräischen steht hier ein Wort das auch mit „segnen“ (barach) übersetzt wird. Ich reagiere auf den Segen, den Gott mir geschenkt hat, indem ich positiv von ihm rede. Ich ehre Gott und zeige, was er mir bedeutet. Ein Lob lebt davon, dass es andere hören. Darum geht es nicht leise. Aber es beginnt immer in der Stille. Und das wird in diesem Vers deutlich. Hier werden drei Schritte des Lobens beschrieben. Und der erste Schritt heißt:

Besinnen
David schreibt: „Lobe den Herrn, meine Seele.“ Es geht beim Loben nicht um eindrucksvolle Worte, sondern um meine innere Einstellung. Denn jedes Lob braucht einen Grund. Sonst ist es nicht echt. Und es muss von innen kommen. Mit der „Seele“ ist in der Bibel immer das gemeint, was den Menschen ausmacht. Was unseren Charakter, unsere Worte und Taten prägt. Im Hebräischen bedeutet es wörtlich „Gefäß“ oder „Kehle“. Die Seele ist etwas, das gefüllt werden muss und etwas weitergibt. Aufnehmen und abgeben - daraus besteht das Leben. Aber ich kann immer nur das ausstrahlen und weitergeben, womit meine Seele erfüllt ist.
Weil man die Seele nicht sehen kann, ist es nicht leicht, sich das vorzustellen. Mir hat da ein Vergleich geholfen. Eine Orgel ist ein beeindruckendes Instrument. Wenn man so eine Orgel in alle Einzelteile zerlegt, dann wird man eins nicht finden: Musik! Obwohl die Orgel dafür gebaut wurde und alles besitzt, um Musik zu machen. Aber aus einer Orgel wird nur Musik erklingen, wenn jemand die Manuale und die Tasten bedient. Sie muss erfüllt werden, bevor sie etwas abgeben kann. Die Musik ist wie die Seele der Orgel. Und es kommt immer darauf an, wer darauf spielt.
In diesem Psalm sagt David: „Lobe den Herrn, meine Seele! Ich lege fest, wer auf meiner Lebensorgel spielen darf, welche Musik erklingen soll. Ich will mich bewusst auf den Herrn ausrichten und auf ihn konzentrieren. Ich will ihn aufnehmen. Ich will das für lieb und für gut halten, was ich gerade erlebe. Und das will ich weitergeben. Darum sollen meine Gedanken jetzt nur ein Ziel haben: Gott loben!“

Ich bin als Mensch oft zerstreut und innerlich zerrissen. Mein Verstand will etwas anderes als mein Gefühl. Mein Wille wünscht sich etwas anderes, als mein Körper. Aber dieser eine Satz hilft mir, mich zu sammeln: „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Nimm auf, was er tut! Mach dir bewusst, dass er gut ist. Egal, was du gerade denkst oder fühlst.
„Lobe den Herrn, meine Seele!“ bedeutet: Nimm seine Liebe wahr und gib ihm dein Lob. Gib Gott die Ehre. Gerade jetzt.
Wenn ich mich gut fühle, weil die Menschen mich gelobt haben: „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Was hättest du, wenn Gott es dir nicht gegeben hätte?
Wenn ich voller Eifer das nächste Projekt plane: „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Was könntest du, wenn er dich nicht bewahren würde?
Wenn ich bis zum Hals in Arbeit stecke: „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Meinst du, er würde den Überblick verlieren?
Wenn ich einsam geworden bin, etwas Wichtiges verloren habe, einfach nicht danken kann: „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Ist er nicht noch größer und wichtiger?
Wenn ich gerade überglücklich bin, frisch verliebt, motiviert und ausgeglichen: „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Wen denn sonst? Ihm allein gebührt die Ehre. Ich will Gott alleine loben!
Wenn ich ratlos bin, überfordert, urlaubsreif und enttäuscht: „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Wen denn sonst? Mach dir seine Güte bewusst, richte dich auf ihn aus. Nur das richtet dich wieder auf. Gib ihm die Ehre!
Jedes Lob beginnt mit meiner inneren Einstellung. Denn meine Seele bestimmt, was mein Körper tut, welche Musik erklingt. Darum heißt der erste Schritt besinnen. Aber der zweite Schritt darf nicht fehlen:

Beginnen
Loben bedeutet: Nicht nur denken, sondern sagen! Möglichst gleich. Und vor anderen!
Wenn ich etwas entdeckt habe, was ich an Gott gut finde, dann will ich es sagen. Es zum Ausdruck bringen, es schreiben, singen, summen oder sagen.
Ein Lob fängt immer still an. In mir. Aber es bleibt nicht leise. Ich kann Gott zwar alleine loben, aber ich werde dabei nie alleine bleiben. Denn Loben erfüllt mein Herz. Und „wovon das Herz voll, davon geht der Mund über!“ (Lk 6,45) Es wirkt sich auf meinen Körper aus. Es entspannt und gibt neue Kraft.
Loben richtet meine Gedanken auf. Es zieht mich nach oben. Denn ich kann nicht loben, ohne dass meine Liebe wächst. Und das höchste Gebot heißt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (Mt 22,37) Darum will ich lernen: Wenn Gott gerade weit weg zu sein scheint: lobe ihn! Du brauchst nicht mit ihm zu sprechen, ihm nicht zu danken und ihn nicht anzubeten. Mach dir einfach nur klar, was er für dich ist. Was dir ohne ihn fehlen würde. Und wenn du ihn erhebst, dann erhebt es dich. Du lernst ihn lieben.
Es gibt kaum etwas, was eine Atmosphäre so positiv verändert, wie ein ehrliches Lob. Es ist oft nicht einfach sich dazu durchzuringen, aber es verändert immer. Es ist der Anstoß für eine neue Bewegung. So wie bei einem Kugelstoß-Pendel (Newton-Pendel). Da hängen die Kugeln an Schnüren nebeneinander. Wenn eine Kugel angehoben wird und gegen die anderen prallt, springt die letzte Kugel in der Reihe weg, stößt von ihrer Seite gegen die anderen und setzt die erste wieder in Bewegung. Solch ein Anstoß ist das Lob. Es bringt einen Impuls und setzt etwas in Bewegung. Vielleicht an einer ganz anderen Stelle, als ich gedacht habe. Aber es bewegt immer etwas.
„Lobe den Herrn, meine Seele!“  Fang einfach an, und es verändert dich. Der dritte Schritt beim Loben heißt

Gewinnen
Ein Lob tut immer gut. Wo gelobt wird, da werden Menschen ermutigt und gestärkt. Gott braucht  das nicht. Er ist immer stark und immer motiviert! Aber ich habe das nötig. Denn das Lob bewirkt viel bei mir. Ich lerne Gott zu lieben und ihm zu vertrauen.
Wer Gott lobt, der gewinnt immer. Darum steht diese Aufforderung dreimal in diesem Psalm, am Anfang und am Ende: „Lobe den Herrn, meine Seele“ (V.1+2+22). Und wer lobt, beginnt vielleicht allein, aber er wird nicht allein bleiben. Denn das Lob Gottes reicht bis in den Himmel hinein (V. 20+21) und es gibt keinen Ort, an dem ich Gott nicht loben könnte (V.22).
Das wird deutlich, wenn wir den zweiten Teil dieses Verses anschauen. „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen.“
Was ist denn alles „in mir“? In mir wohnt nichts Gutes (Röm 7,18) schreibt Paulus einmal. Da sind meine Gefühle, mein Stolz und mein Egoismus. Da sitzt meine Sehnsucht und meine Angst. Alles dreht sich nur um mich. Darum ist mein Herz von Natur aus „trotzig und verzagt“ (Jer 17,9). Aber indem ich Gott lobe, ändere ich die Richtung. Alles in mir soll jetzt nicht mehr auf mich ausgerichtet sein, sondern auf Gott. Ich will meine Sehnsucht und meine Angst mit Gott in Verbindung bringen. Weil er heilig ist und gut. Weil er keinen Fehler macht. Darum soll sein heiliger Name gelobt und geehrt werden. Mit all meiner Kraft, Konzentration und Kreativität.
Mit diesem Namen hat Gott sich Mose vorgestellt. Er heißt: „Ich bin da!“ (2.M 3,14)
David sagt: „Alles, was in mir ist lobe seinen heiligen Namen.“ Und das bedeutet:
Egal, wie wichtig und unentbehrlich du dich fühlst: „Gott ist da!“ Gib ihm die Ehre!
Wenn du dir überflüssig vorkommst oder ausgelacht wirst. Lobe diesen Namen: „Ich bin da!“
Wenn dir dein Erfolg zu Kopf steigt oder dir der Kragen platzen will. Lobe diesen heiligen Namen: „Ich bin da!“
Wenn du versagt hast und dich selbst nicht ausstehen kannst. Lobe diesen Namen: „Ich bin da!“

Gott ist da! Ich kann es nicht verhindern und ich werde es nie verdienen. Aber wenn ich diesen heiligen Namen lobe, kann ich nur noch staunen: Er ist hier. Bei mir! Trotz allem!
Das will ich sagen und leben. Denn wir loben Gott nicht nur mit unseren Worten, sondern auch durch unseren Einsatz. Wenn du andere mit deinem Geld unterstützt. Wenn du deine Arbeit gewissenhaft erledigst, wenn du deine Zeit für andere einsetzt. Tue es für ihn. Gib die Liebe weiter, die Gott dir gegeben hat. Lobe Gott mit deinen Möglichkeiten! „Alles in mir lobe seinen heiligen Namen!“ Weil Gott es verdient und weil wir Menschen es brauchen.

Dafür hat Gott ein besonderes Versprechen gegeben. Er hat gesagt: „An jedem Ort, wo ich an meinen Namen denken lasse, da will ich zu dir kommen und dich segnen.“ (2.Mo 20,24)
Und das gilt für jeden Ort, wo ich mich für ihn einsetze. Wo ich seinen Namen lobe und ihm die Ehre gebe. Es gibt keinen Ort und keine Zeit, wo ich Gott nicht loben könnte. Denn er ist da. Und ich werde gesegnet. Je mehr ich Gott lobe, desto mehr lerne ich ihn zu lieben und ihm zu vertrauen. Ich kann nichts Besseres tun: „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!“ Besinnen, beginnen und gewinnen.
Darum: Sag es – gleich – vor anderen: Herr, du bist unvergleichlich gut!

Amen