"In Verbindung bleiben (Teil 1)" - Lukas 10, 38-42

In Verbindung bleiben Dieses Thema soll uns als Landeskirchliche Gemeinschaft in diesem Jahr beschäftigen. Schon auf den ersten Blick ist es ganz einfach: Wir müssen in Verbindung bleiben! Denn je länger die Kontaktbeschränkungen dauern, werden wir entweder die Gemeinschaft miteinander vermissen oder uns an den Abstand gewöhnen. Und wir wollen uns daran nicht gewöhnen! Bei uns soll die „Gemeinschaft“ nicht nur im Namen stehen, sondern unser Erkennungsmerkmal bleiben. Gerade in dieser Zeit, wo persönliche Begegnungen nicht mehr selbstverständlich sind, wo behördlich geregelt ist, ob ein Gottesdienst in „Präsenz“ stattfinden darf oder nicht. Ich hätte nie gedacht, dass mir die Begegnungen im Gottesdienst, das gemeinsame Essen hinterher, die Arbeitseinsätze und der Austausch in den Bibelstunden einmal so fehlen würden. Darum bin ich dankbar für dieses Jahresthema: „In Verbindung bleiben“ Es ist eine Aufgabe, die wir uns stellen. Und gleichzeitig eine Erinnerung an das, was wir haben. Wir wollen „in Verbindung BLEIBEN“, weil wir verbunden sind. Wir haben etwas, das uns gemeinsam wichtig ist, wir haben schon einiges miteinander erlebt. Und diese Verbindung wollen wir stärken und darauf aufbauen. Mir gefällt in unserem Jahres-Logo das Seil, das zwischen zwei Buchstaben gespannt ist. Denn da-ran hängt ein Herz. Genau an der richtigen Stelle. Wir brauchen diese persönlichen Verbindungen, von Mensch zu Mensch. Sie sind wie kleine Knotenpunkte, aus denen ein Netz wird, durch das Menschen aufgefangen, getragen und gesegnet werden. Es geht um jede einzelne Begegnung und um den Blick für das Ganze. Denn wenn zwei in Verbindung bleiben, hat das Folgen für andere. Wenn Eltern liebevoll miteinander umgehen, werden die Kinder dadurch beschenkt. Wenn ein Leitungsteam vertrauensvoll zusammenarbeitet, wird die Gemeinde dadurch gesegnet. Wenn ich mit Jesus in Verbindung bin, wirkt sich das auf alle Begegnungen im Alltag aus. Es gibt viele Bilder für solch eine Verbindung (Netz mit Knotenpunkten, Körper mit verschiedenen Gliedern, ein Haus aus lebendigen Steinen…). Wir haben uns für einen Kreis entschieden, in dem vier Bereiche wie Puzzle-Teile zusammengefügt sind. Diese Bereiche sind durch Hände miteinander verbunden, weil sie zusammengehören und durch persönliche Berührungspunkte praktisch werden. Ganz oben steht die Hauptsache: Gott will mit uns in Verbindung bleiben! Das ist die Voraussetzung, denn von ihm geht alles aus. Nur durch seine Liebe und Kraft, durch seinen Segen sind alle anderen Verbindungen möglich. Wir dürfen seine Kinder sein und gehören zu seiner Gemeinde, die er von ganzem Herzen liebt. Mit diesem Bereich werden wir uns ausführlicher beschäftigen, wenn wir den Neuen Bund anschauen, den Gott uns geschenkt hat. Direkt damit zusammen hängt der zweite Bereich: Wir bleiben mit Gott in Verbindung. Das geschieht durch das Gebet, durch sein Wort, auf das wir hören, durch die Anbetung. Wir ehren Gott, indem wir auf ihn hören und ihm vertrauen. Das geschieht im Alltag, wo jeder mit diesem großartigen Herrn unterwegs sein darf. Und es geschieht im Gottesdienst, wo wir ihn miteinander loben und ihm dienen. Wir sind dafür an keinen äußerlichen Ort gebunden. Und doch ist die Gemeinde ein besonderer Platz, den Gott uns dafür geschenkt hat. Denn hier bleiben wir nicht nur mit ihm in Verbindung, sondern auch miteinander. Das ist der dritte Bereich: Wir bleiben mit uns in Verbindung. Hier liegt seit der Corona-Pandemie eine große Aufgabe für uns. Denn unsere Gemeinschaft miteinander sieht nicht mehr so aus, wie vor einem Jahr. Wo wird es sichtbar und spürbar, dass wir zusammen gehören? Was tun wir noch gemeinsam? Im Moment kann man mit dem Hinweis auf das Virus jeder Begegnung ausweichen. Da-rum zeigt sich gerade in dieser Krise, welche Beziehungen wirklich tragfähig sind, welche Menschen mir wichtig sind und welche Verbindungen ich halten möchte. Wir wollen uns nicht an den Abstand gewöhnen! Aber weil keiner weiß, wann wir uns mit allen wieder ohne Einschränkungen treffen können, brauchen wir Projekte, die uns helfen, miteinander zu reden, voneinander zu hören und uns gegenseitig zu stärken. Wir haben einiges in diesem Jahr geplant, wie Seminare, die Gemeindefreizeit im August oder die Kleingruppen, die bald wieder starten. Aber Gemeinschaft lebt von den persönlichen Kontakten, den Begegnungen von Mensch zu Mensch. Darum bitten wir euch: Werdet kreativ und setzt eure Ideen in die Tat um! Trefft euch zu zweit zum Gebet, zu Spaziergängen. Sprecht über das, was euch beschäftigt. Helft euch, wo ihr von Engpässen und Schwierigkeiten hört. Wartet nicht, bis ein anderer kommt, sondern sucht selbst den Kontakt. Bleibt miteinander in Verbindung. Das macht eine Gemeinschaft stark! „Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, die geben uns Halt.“ (Marie von Ebner-Eschenbach, 1830-1916) Aber unsere Aufgabe als Gemeinde ist nicht, dass wir uns wohlfühlen und versorgt sind. Unser Auftrag ist, dass Menschen gerettet werden. Darum wollen wir auch mit anderen in Verbindung bleiben. Mit Menschen, die Jesus noch nicht kennen. Deshalb ist das der einzige Bereich, in den bei unserem Jahres-Logo zwei Hände hineinreichen. Wo wir als Gemeinde mit unserem Herrn und mit-einander in Verbindung sind, hat es Folgen für andere. Und die Menschen sollen durch uns Gottes Liebe erleben! Diese vier Bereiche werden durch das Kreuz verbunden, durch unseren Herrn Jesus Christus. Er ist der Mittelpunkt und das Zentrum. Nur durch ihn erleben wir, wie Gott mit uns in Verbindung bleibt. Nur durch ihn sind wir versöhnt mit Gott und dürfen als seine Kinder bei ihm sein. Nur durch ihn ist die Gemeinschaft miteinander möglich, trotz aller Unterschiede und Eigenarten. Und das ist die Botschaft, die wir den Menschen sagen und vorleben wollen: Lasst Gottes Liebe in euer Leben hinein! Paulus fasst es so zusammen (2.Kor 5,19+20): „Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“ Diese vier Bereiche werden wir im Lauf des Jahres immer wieder entdecken. Heute möchte ich nur einen Gedanken anhand einer Begegnung von Jesus vertiefen. Direkt nach dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter beschreibt Lukas in seinem Evangelium wie zwei Frauen Jesus begegnen. Sie sind aus einer Familie, wohnen in einem Haus, begegnen ihm zur selben Zeit, unter den gleichen Bedingungen und erleben es doch sehr unterschiedlich. „Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester allein dienen lässt? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“ (Lk. 10,38-42) Beide Frauen sind mit Jesus in Verbindung. Aber weil sie so unterschiedlich sind, stellt sich die Frage: Welche macht es richtig? Und sofort denke ich: Natürlich Maria. Denn die wird doch von Jesus gelobt! Aber was genau macht Maria richtig? Und was würde aus unserer Gemeinschaft, wenn wir keine Menschen wie Marta hätten? Wir können sehr viel in dieser Begegnung beobachten und daraus lernen. Aber mit geht es heute nur um einen Gedanken: Marta schafft Raum für eine Begegnung, aber sie nutzt ihn nicht! Die Voraussetzung für diese Begegnung mit Jesus ist, dass er zu ihnen kommt! Alles geht von ihm aus. Aber dann rückt Marta in den Mittelpunkt. Sie hat einen Blick für die Situation. Sie hat offene Augen, offene Hände und ein offenes Haus. Nicht jeder würde Jesus und seine Jünger, also mindestens 13 Männer einfach so aufnehmen und versorgen. Aber Marta scheut die Mühe nicht. Sie sieht, dass Jesus kommt und entscheidet sofort: das müssen wir feiern! Sie hat die Möglichkeiten, sie nutzt die Gelegenheit und schafft mit ihren Gaben einen Raum für eine Begegnung mit Jesus. Ohne Marta hätte Maria gar keine Gelegenheit gehabt, Jesus so intensiv zuzuhören! Wir brauchen Menschen, die organisieren, Veranstaltungen planen, den Aufwand und die Mühe nicht scheuen. Wir brauchen Menschen, die Gelegenheiten erkennen und Raum schaffen, wo wir Jesus begegnen können. So wie das Technik-Team, das es uns jeden Sonntag ermöglicht, einen Gottesdienst zu erleben – hier im Raum, und dann zu jeder Zeit zu Hause am Bildschirm. Ich bin sehr dankbar für unsere Musikteams, die ihre Gaben einsetzen und uns durch die Lieder einen Raum schaffen, in dem wir Jesus an-beten und seine Gegenwart genießen können. Oder das Kindergottesdienst-Team, das mit viel Liebe und Ideen einen Raum schafft, in dem die Kinder mehr von Jesus erfahren können. Wir brauchen Menschen, die sehen, was jetzt möglich ist und dann mit ihren Gaben einen Raum schaffen für die Begegnung mit Jesus. Marta ist so eine Frau. Sie sieht, was zu tun ist und packt an. Sie setzt sich mit ihrer ganzen Liebe für Jesus und seine Nachfolger ein. Sie tut genau das, was Jesus vorher dem Schriftgelehrten gesagt hat, dem er das Gleichnis vom barmherzigen Samariter erzählt hatte: „Geh hin und tu desgleichen.“ (V.37) Diene dem Menschen, den Gott dir über den Weg schickt. Marta dient Jesus mit allem, was sie hat. Und da zeigt sich ihr Problem. Denn sie denkt: Alle müssen es so machen wie ich! Und meine Schwester lässt „mich allein dienen“! Darum bittet sie Jesus: Zeige ihr, was sie falsch macht und ändere sie! Marta ist überzeugt, dass sie Jesus richtig dient. Sie weiß, was er braucht und was jetzt dran ist. Aber sie bittet nicht: „Zeige mir, was du willst!“ Jesus antwortet liebevoll und klar. Er schätzt ihre Arbeit und Mühe, aber er sieht tiefer. „Du bist wegen so vielem in Sorge und Unruhe. Eins aber ist not.“ Oder wörtlich übersetzt: „Aber notwendig ist nur wenig – eigentlich nur eines.“ Er sagt ihr: Marta, du machst viel, was gut und richtig ist. Aber weißt du auch, was jetzt wichtig ist? Das kannst du von Maria lernen. Sie hat „das gute Teil er-wählt“. Sie hat sich hier für die richtige Aktion entschieden. Jesus verurteilt nicht, was Marta tut. Er fragt sie nur: „Hast du nicht gemerkt, was jetzt dran ist? Du schaffst eine Gelegenheit, um mir zu begegnen, aber du nutzt sie nicht. Du hast mir dein Haus geöffnet und umsorgst mich mit deinen Aufmerksamkeiten. Aber du schenkst mir nicht deine Aufmerksamkeit. Du bist für mich da, aber du bist nicht bei mir. Du lässt dich nicht von mir beschenken.“ Das kenne ich auch: Ein Kollege hatte uns als Familie einmal zum Abendessen eingeladen. Er hatte an alles gedacht und uns wirklich gut versorgt. Aber er stand die meiste Zeit draußen am Grill und wir saßen drinnen am Tisch. Wir haben zwar gut gegessen, aber wenig Gemeinschaft mit ihm gehabt. Oder: Vor einigen Jahren war ich zu einem Stillen Wochenende. Diese intensive Zeit mit Jesus hat mir so gut getan, dass ich für das nächste Jahr gleich wieder den Termin gebucht und freigehalten habe. Aber als ich mich auf den Weg machte, dachte ich, dass ich diese Tage auch nutzen kann, um die nächste Predigt und Sitzung vorzubereiten und eine schöne Radtour zu machen. Und ich kam die ganze Zeit nicht zur Ruhe… Ich schaffe Raum für eine Begegnung, aber ich nutze ihn nicht. Darum: Schaff mit deinen Gaben einen Raum zur Begegnung und dann lasst euch gemeinsam von Jesus beschenken! Tu einfach das, was du gut kannst und dir leicht fällt. Wenn du gerne backst, dann tu es doch auch für andere und verbinde es mit einem Gespräch an der Haustür. Wenn dich ein Buch beschäftigt hat, dann gib es einem anderen und sprich mit ihm darüber. Mach einen Termin für einen Anruf, einen Besuch, einen Spaziergang, ein Online-Gebetstreffen. Ich habe neulich für ein paar Stunden bei einer Renovierung geholfen und festgestellt, wie gut man miteinander reden kann, wenn man gemeinsam Tapeten von der Wand kratzt… Schaff mit deinen Gaben einen Raum zur Begegnung. Und dann nutz diese Gelegenheiten, um gemeinsam Jesus zu begegnen. Redet über das, was ihr mit ihm erlebt habt, über eure Fragen, wofür ihr dankbar seid. Betet miteinander. Setzt euch zu seinen Füßen und lasst euch von ihm beschenken. Denn jede Verbindung von zwei Menschen hat Folgen für andere. Daraus wächst Segen! Wir haben das Jahresthema auch auf Postkarten drucken lassen, damit du damit einem anderen zeigen kannst: „Ich denke an dich!“ Schreib diese Woche doch einer Person, was du an ihr schätzt, was du ihr wünschst oder lade sie zu einer Begegnung ein. Und für nächste Woche holst du dir eine neue Karte… Schaff einen Raum und dann nutze ihn. Damit wir in Verbindung bleiben! Mit unserem Herrn und miteinander. Amen