"Warum Gott einen Bund schließt" - Jeremia 32, 40

Warum Gott einen Bund schließt Wenn Menschen zusammenleben, brauchen sie Regeln. Sonst hält man es nicht lange miteinander aus. Das gilt für jede Familie und jede Firma, für jeden Kindergarten und jede Wohngruppe, für jede Gemeinde und jede Mannschaft. Wenn wir „in Verbindung bleiben“ wollen, muss klar sein, was für alle gilt, was von jedem erwartet wird und wo die Grenzen sind. Viele Familien treffen hier Abmachungen, schreiben sie auf und hän-gen sie an die Wand (Wir helfen uns gegenseitig, wir gehen nicht im Streit auseinander, wir sagen „Bitte“ und „Danke“…). Sie machen Listen, wer im Haushalt für welche Aufgabe zuständig ist, wann abends das Licht ausgemacht wird oder legen fest, wieviel Zeit im Internet verbracht werden darf. Und dann verlässt man sich darauf, dass jeder sich daran hält. Solche Abmachungen setzen viel Vertrauen voraus. Und es ist immer schön, wenn sie funktionieren… Bei anderen Gelegenheiten genügt eine Abmachung nicht. Da braucht man einen Vertrag. Dafür wird ausgehandelt, welche Leistung jeder zu erbringen hat: „Du hast eine Wohnung und ich zahle jeden Monat Geld, damit ich darin wohnen darf.“ (Mietvertrag) „Du bist bereit, für mich zu arbeiten und ich verpflichte mich, dir ein Gehalt dafür zu zahlen.“ (Arbeitsvertrag) Einer hat, was ein anderer braucht und beide profitieren von diesem Vertrag. Er wird ausgehandelt und mit den Unterschriften besie-gelt. Gott will mit uns Menschen in Verbindung bleiben. Er hat uns von Anfang an für die Gemeinschaft mit ihm geschaffen. Aber auch diese Verbindung kann nur bestehen, wenn die Bedingungen klar sind. Dafür schließt Gott mit uns einen Bund. Er trifft keine Abmachungen mit uns. Denn die müssen im-mer wieder verändert und angepasst werden. Gott schließt mit uns auch keinen Vertrag. Denn wir sind für ihn kein geeigneter Vertragspartner. Wir könnten ihm nichts geben, was er braucht. Gott hat keinen Nutzen von uns Menschen. Und was würde herauskommen, wenn wir in Vertragsverhandlungen mit dem Schöpfer und ewigen Herrscher der Welt einsteigen? Gottes Form, um mit uns in Verbindung zu bleiben, ist ein Bund. Ein Bund wird nicht verhandelt, sondern von einer Seite angeboten. Und der andere Partner kann diese Vorgaben annehmen und in diesen Bund hineinkommen. Der entscheidende Unterschied ist: Bei einem Vertrag geht es um den gegenseitigen Nutzen für eine bestimmte Zeit. Es geht um Dinge. Und bei einem Bund geht es um die gegenseitige Beziehung. Es geht um die Personen und die dauerhafte Verbindung. Gott schließt einen Bund, weil es ihm nicht um das geht, was ich habe oder kann. Es geht ihm um mich. Ich bin ihm wichtig! Am deutlichsten wird das bei der Ehe. Dort sprechen wir auch von einem Bund, den zwei Menschen miteinander schließen. Jeder bietet von seiner Seite aus den Bund an: „Ich will dich ehren und lieben, dir treu sein, in guten und schlechten Zeiten zu dir stehen.“ Dort werden keine Bedingungen verhan-delt oder Einschränkungen eingebaut. Die einzige Grenze beim Ehebund ist der Tod. „Bis der Tod uns voneinander trennt.“ Und der andere Partner bestätigt mit seinem Versprechen diesen Bund. Er bietet seinen eigenen Bund an. So schließen zwei Menschen den Bund der Ehe. Es geht um Personen und eine dauerhafte Verbindung. Und jeder verspricht dem anderen: Ich bin für dich da! Genauso bietet Gott uns Menschen einen Bund an. Er legt sich darin fest und verpflichtet sich. Gott bestimmt die Bedingungen und verspricht, sie zu halten. Und wir profitieren davon. Was Gott im Bund anbietet, ist immer zum Besten für uns. Aber wir müssen entscheiden, ob wir uns darauf einlas-sen. Dieses Grundprinzip eines Bundes kommt in einem Vers gut zum Ausdruck. Gott sagt: „Ich werde einen ewigen Bund mit ihnen schließen, dass ich mich nicht von ihnen abwende, ihnen Gutes zu tun. Und ich werde die Ehrfurcht vor mir in ihr Herz legen, damit sie nicht von mir ab-weichen.“ (Jeremia 32,40) Gottes Versprechen in jedem Bund heißt: Ich bin immer für dich da! Ich „wende mich nicht ab“ und „ich tue dir Gutes“. Und sein Ziel ist: ich will so für meine Menschen sorgen, dass sie nicht mehr von mir weg wollen. Dass sie gerne bei mir bleiben und mir vertrauen. Das ist die „Ehrfurcht“, die Gott in unser Herz legen will. Oder wie es in einer Übersetzung heißt: „Ich will in ihnen den Wunsch we-cken, mich anzubeten und zu fürchten, sodass sie nie wieder von mir weglaufen.“ (Neues Leben) Ehrfurcht ist staunende Liebe. Gottes Bund hat immer das Ziel, uns Menschen so zu begegnen, dass wir freiwillig in diesen Bund eintreten und dann aus voller Überzeugung bleiben. In diesem Vers spricht Gott sogar von einem „ewigen Bund“, der niemals aufhört. Gott will, dass alle Menschen für immer in der Verbindung mit ihm leben können. Und dass wir von ganzem Herzen sagen: „Ich will nie wieder von dir weg!“ In der Bibel können wir entdecken, wie konsequent Gott dieses Ziel verfolgt. Noah-Bund Den ersten Bund schließt Gott mit Noah nach der Sintflut. Er ist wie ein Neuanfang für die Erde mit allen Geschöpfen. Gott verspricht, dass er nicht noch einmal so eine Sintflut kommen lassen wird und sagt: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen … Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (1.M 8,21+22) Und als Zeichen des Bundes setzt Gott seinen Bogen in die Wolken (1.M 9,13). Damit setzt Gott fest: Ich will, dass ihr leben könnt! Gott verpflichtet sich dazu, uns die Lebensgrundlage nicht mehr wegzunehmen. Das gilt, solange die Erde steht. Abraham-Bund Nachdem die Menschen versucht hatte, durch einen Turm bis in den Himmel zu kommen (1.M 11,8 Turmbau zu Babel), nimmt Gott ein Modellvolk, an dem er zeigen will, wie er sich die Gemeinschaft mit uns Menschen vorstellt. Er fängt mit einer einzigen Person an und verspricht, aus ihr ein großes Volk zu machen, das für alle Menschen auf der Erde zum Segen wird (1.M 12,3). In diesem Bund mit Abraham liegt die Wurzel für das Volk Israel. Gott verspricht ihm viele Nachkommen und ein Land, das ihre Heimat sein wird. Hier spricht Gott zum ersten Mal von einem „ewigen“ Bund (1.M 17,7). Und er betont die Beziehung: „Ich will euer Gott sein!“ (1.M 17,8). Gott sagt damit: Ich will, dass ihr ewig leben könnt. Diese Gemeinschaft zwischen mir und euch soll nicht mehr enden. „Ich will mich nicht abwenden und euch Gutes tun.“ In der hebräischen Sprache wird ein Bund nicht geschlossen, sondern „geschnitten“. Man sagt also: Ich schneide einen Bund mit dir. Das hat etwas damit zu tun, dass in einem Bund ein Raum geöffnet wird, der vorher verschlossen war. Er wird „aufgeschnitten“. Hier ist ein Raum für dich, in dem du leben kannst. Vorher warst du allein, jetzt gehören wir zusammen! Und es werden damit Grenzen gesetzt: Durch unsere Verbindung gelten Bedingungen und Vorgaben für dich, in denen du jetzt lebst. Da werden Freiheiten „beschnitten“, weil wir verbunden sind. Das zeigt sich beim Bund mit Abraham in zwei Details: Zunächst ist es ein einseitiger Bundesschluss, bei dem nur Gott sich zu etwas verpflichtet (1.M 15,8-18). Abraham möchte gern ein Zeichen dafür haben, dass der Herr ihn wirklich zu einem großen Volk machen will. Und Gott ordnet an, dass Ab-raham Opfertiere (Kuh, Ziege, Widder, Tauben) bringt. Abraham halbiert sie und legt sie getrennt voneinan-der hin, wie es damals üblich war (Jer 34, 18+19). Das war wie eine Warnung: So soll es jedem gehen, der diesen Bund bricht! Bei solch einem „Blutsbund“ gingen beide Partner zwischen den Hälften hindurch und versprachen damit: Ich setze mich dafür mit meinem Leben ein! Während Abraham allerdings in einen tiefen Schlaf fällt, geht Gott wie eine brennende Fackel zwischen den Tierhälften hindurch. Er „schneidet“ diesen Bund, ohne dass Abraham beteiligt ist. Er übernimmt allein die Kon-sequenzen und verspricht: Ich setze mein Leben dafür ein! In einer zweiten Begegnung ordnet Gott als Zeichen des Bundes die Beschneidung an. Bei allen Männern aus dem Volk Israel soll die Vorhaut am Glied abgeschnitten werden (1.M 17,11). Ein sehr schmerzhafter Vorgang, mit dem die Nachwuchsplanung nicht nur symbolisch in Gottes Hand gelegt wird. Es ist ein äußerliches Zeichen, das aber nur selten sichtbar wird. Und es ist die erste Verpflich-tung, die Menschen eingehen müssen, um zu zeigen, dass sie in diesem Bund leben wollen. Es fließt auch hier Blut, aber vor allem geht es darum, dass ein Mensch sagt: „Ich vertraue mich dir an!“ Dieser Abraham-Bund gilt für das Volk Israel und ist bis heute nicht aufgehoben (Röm 11,2; 26-29). Sinai-Bund (Alter Bund) Nachdem das Volk Israel gewachsen ist, wird es, wie vorher angekündigt (1.M 15,13), nach vierhun-dert Jahren aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit. Darum schließt Gott erneut einen Bund mit diesem Volk. Er erweitert den Abraham-Bund, weil die Bedingungen sich geändert haben. Sie müs-sen jetzt als freies Volk ihr eigenes Leben gestalten. Gott hält seinen Bund und will die Gemeinschaft mit diesem Volk weiter vertiefen. („Ihr sollt mein Eigentum sein vor allen Völkern“ 2.M 19,5) Darum schließt er mit ihnen den Bund am Gebirge Sinai, den später sogenannten „Alten Bund“ (Hebr 8,13). Er wird stellvertretend für das ganze Volk durch einen Vermittler geschlossen (Mose), aber alle stimmen die-sem Bund zu (2.M 19,8). Gott verspricht ihnen, dass er sie segnen und in das Land führen wird. Und als Zeichen gibt er ihnen den Sabbat, den Tag der Ruhe und Verbundenheit mit Gott. Es ist eine Er-innerung an die vollendete Schöpfung, ein Zeichen der Freiheit und ein Vorgeschmack auf den Frie-den, den Gott ihnen schenken will. Gott gibt ihnen auch die zehn Gebote als Lebensregeln. Er gibt ihnen die Opfergesetze, um durch ein stellvertretendes Opfer alles zu bereinigen, was die Beziehung zu Gott verhindert (Blut). Und er gibt ihnen ein sichtbares Zeichen für seine Gegenwart (Bundeslade, Stiftshütte). Damit legt er fest, wie sein Volk mit ihm in Verbindung bleiben kann. Durch diesen Bund zeigt Gott: Ich gebe euch alles, was ihr dafür braucht! Meine Gegenwart, eindeutige Regeln und einen Ort der Ruhe. Ich gebe euch alles, was ihr braucht, um zu erkennen, „dass ich mich nicht von ihnen abwende, ihnen Gutes zu tun.“ David-Bund Der Bund mit Israel wird noch einmal ergänzt, als Israel einen König bekommt. Denn dadurch ver-ändert sich ihre Herrschaftsordnung, weil jetzt nicht mehr Priester oder Propheten das Volk führen, sondern ein König. Und Gott schließt mit David einen Bund, in dem er ihm zusagt, dass sein Nach-komme König für immer sein wird (2.Sam 7,12-16). Gottes Versprechen heißt: Ich werde alles durch einen Herrscher erfüllen! All diese Bündnisse werden im Alten Testament, im ersten Teil der Bibel beschrieben. Gott zeigt: Ich bin für euch da! Aber trotz dieser Versprechen Gottes kommt das Volk Israel nicht zur Ruhe. Sie versuchen, Gott zufrieden zu stellen, indem sie die Gesetze und Vorschriften einhalten. Aber sie schaffen es nicht. Immer wieder versagen sie. Sie wissen nie, ob es reicht. Darum halten sie sich oft nur noch äußerlich an die Vorgaben, aber innerlich entfernen sie sich von Gott und suchen sich ande-re Götter. Dadurch passiert genau das, was Gott verhindern wollte. Er wollte „Ehrfurcht vor mir in ihr Herz legen, damit sie sich nicht von mir abwenden“. Sie verlieren die staunende Liebe. Der Bund erreicht noch ihren Kopf und ihren Körper, aber nicht mehr ihr Herz. Nur an einigen Stellen in der Geschichte Israels und bei einzelnen Menschen leuchtet auf, was es heißt, in dieser Gemeinschaft mit Gott zu leben (David, Daniel, Nehemia, Esra…). Weil das Volk sich nicht an den Bund hält, müsste Gott es jetzt vernichten und strafen. Er müsste sich von ihnen abwenden. Aber er hält sich an sein Versprechen. Darum schließt er den Bund, den er von Anfang an schon im Sinn hatte. Einen vollkommenen Bund, bei dem alles zusammen passt. Er richtet den „Neuen Bund“ auf. Den schließt er mit seinem eigenen Sohn, mit Jesus Christus. Dieser Bund erfüllt alle Verheißungen, die es vorher gab. Gott löst ein, was er versprochen hat. Zunächst für sein Volk Israel und dann erweitert er es auf alle Menschen. Denn indem Jesus sein Leben am Kreuz gibt, wird die Tür für jeden geöffnet, der an ihn glaubt. Gott will, dass alle Menschen ewig mit ihm leben können. Alles wird durch Jesus erfüllt: Er kommt aus dem Volk Israel und wird zum Segen für alle Ge-schlechter, Völker und Generationen. Er ist ein Mittler wie Mose, der die größte Befreiungsaktion der Weltgeschichte ermöglicht. Und er ist der Nachkomme Davids, der für immer König sein wird. Durch ihn bekommt das ganze Alte Testament eine neue Bedeutung. Jeder Bund bekommt eine an-dere und ewige Perspektive. Christus erfüllt alles. (siehe Grafik) Gott „schneidet“ einen Bund, indem er sich seinen Sohn vom Herzen reißt. Er lässt ihn die Strafe tragen, die alle Menschen verdient haben, weil sie Gottes Bund nicht gehalten haben. Das Blut von Jesus wird vergossen. Er zahlt mit seinem Leben für die Untreue der Menschen. Er trägt die Konse-quenzen, die wir verdient haben. Was beim Bund mit Abraham durch die Fackel sichtbar wurde, durch die Gott zwischen den Tierhälften hindurch ging, erfüllt Jesus, als er am Kreuz auf Golgatha stirbt. Und damit öffnet er den Raum zum Leben. (Vorhang im Tempel zerreißt > Mt 27,51; Zugang zu Gott ist frei > Hebr 4,16) Gott richtet den Neuen Bund auf und jeder kann hinein. Im Neuen Testament wird allerdings nur an wenigen Stellen von diesem „Bund“ gesprochen (Abendmahl > Lk 22,20; 1.Kor 10,25; 2.Kor 3,6 Hebr 8,13). Jesus spricht öfter von dem „Reich Gottes“. Dieses Reich Gottes hat durch ihn begonnen. Und jeder, der Jesus als Erlöser annimmt, kann hinein. Durch ihn werden wir Bürger dieses Reiches und sind verbunden mit Gott. Dafür ist kein äußerliches Zeichen nötig (Beschneidung, Opfer, Tempel), weil es ein in-nerlicher Prozess ist. Aber alles, was im Alten Testament anschaulich beschrieben und praktiziert wurde, bekommt im Neuen Testament eine neue Bedeutung. Abraham musste z.B. durch die äußerliche Beschneidung zeigen: Ich vertraue mich Gott an! Wir brauchen jetzt eine „Beschneidung des Herzens“ (Röm 2,29), um in diesen Bund hineinzukommen. Das wird auch „Buße“ oder „Umkehr“ genannt, und bedeutet: Ich lasse alles los, worauf ich stolz war und was ich vorzuweisen habe. Und ich sage: „Herr, du bist alles, was ich brauche! Ohne dich kann und will ich nicht leben! Dir vertraue ich mich an.“ Gott sagt: „Ich werde einen ewigen Bund mit ihnen schließen, dass ich mich nicht von ihnen abwen-de, ihnen Gutes zu tun. Und ich werde die Ehrfurcht vor mir in ihr Herz legen, damit sie nicht von mir abweichen.“ Ich bin dankbar, dass Gott keine Abmachungen mit uns trifft, die sich immer wieder ändern würden. Ich bin froh, dass er keinen Vertrag mit uns macht, den ich nicht halten könnte. Er schließt einen Bund mit uns Menschen, weil er nicht ohne uns sein will. Dafür setzt er sich mit seinem Leben, mit seinem Sohn Jesus Christus ein. Gott tut alles, damit wir ihn erkennen und mit staunender Liebe sa-gen: Ich will nie wieder von dir weg! Könnt ich’s irgend besser haben als bei dir, der allezeit soviel tausend Gnadengaben für mich Armen hat bereit? Könnt ich je getroster werden als bei dir, Herr Jesus Christ, dem im Himmel und auf Erden alle Macht gegeben ist. Wo ist solch ein Herr zu finden, der, was Jesus tat, mir tut: Mich erkauft von Tod und Sünden mit dem eignen teuren Blut? Sollt ich dem nicht angehören, der sein Leben für mich gab, sollt ich dem nicht Treue schwören, Treue bis in Tod und Grab? Philipp Spitta